… weil die RSG Stärke mit Eleganz verbindet
TTS-Trainerin Katharina Schadt beantwortet die Frage nach der „Faszination RSG“ und wünscht sich eine stärkere Wahrnehmung ihrer Sportart. Darüber spricht die ehemalige Gymnastin in der Ausgabe 2-2026 des Verbandsmagazins BewegtBerlin.
Zur Person
Katharina Schadt ist Trainerin Turntalentschule „Spreekids“ im Berliner TSC, war zuvor 10 Jahre Gymnastin im Leistungssport beim BTSC
Was ist so faszinierend an der RSG?
RSG ist viel mehr als nur ein Sport. Es sind die Momente vor dem Auftritt, das Herzklopfen bei der Musik und das Gefühl, wenn am Ende alles gelingt. Man lernt, stark zu bleiben, auch wenn etwas nicht perfekt läuft, und immer wieder aufzustehen. Es fasziniert, weil es Stärke und Eleganz verbindet. Hinter jeder Bewegung steckt Mut, Disziplin und ganz viel Leidenschaft. Genau das macht RSG so einzigartig.

Früher, als ich noch klein war, habe ich unheimlich gerne zur Musik getanzt. Wenn ich mich bewegte, war es, als würde ich ganz bei mir sein. In der Grundschule, im Sportunterricht, entdeckte mich Katja Kleinveldt. Sie sah in mir dieses Potenzial, das ich damals noch nicht kannte. Durch sie fand ich den Weg zum Sport und von da an wurden Tanz und Musik ein fester Bestandteil meines Lebens.
Jetzt trainiere ich die TTS Spreekids im Berliner TSC im Alter von 7 bis 10 Jahren. Nebenbei betreue ich zwei weitere Gruppen: die KLK-Gruppe (8 bis 10 Jahre) und die Minis (5 Jahre).
Der BTSC war für mich mehr als ein Verein, er war wie eine zweite Familie. Durch das gemeinsame Training, die Wettkämpfe und die Unterstützung der Trainerinnen und des Teams konnte ich über mich hinauswachsen und viele unvergessliche Momente erleben. Darauf bin ich stolz und das macht meine Zeit dort besonders für mich.
Die größten Herausforderungen bezüglich der Sportart bzw. meiner Tätigkeit bestehen für mich darin, nicht nur die Technik und Ausdruck zu vermitteln, sondern den Mädchen auch Selbstvertrauen und Disziplin am Sport mitzugeben. Es ist nicht leicht, hohe Anforderungen im Training mit Spaß und Leichtigkeit zu verbinden.
Ein gutes Trainerin-Gymnastin-Verhältnis mit so jungen Aktiven zeichnet sich durch Vertrauen, Respekt und Verständnis aus. Gerade in dieser Sportart verbringen die Mädchen viel Zeit in der Halle, weshalb es wichtig ist, dass sie sich sicher, unterstützt und ernst genommen fühlen. Offenheit, Geduld und gegenseitiger Respekt schaffen eine Atmosphäre, in der Gymnastinnen nicht nur sportlich, sondern auch persönlich wachsen können.
Ich sehe einige positive Entwicklungen in der Sportart: Die Choreografien sind kreativer geworden, die Ausdrucksstärke wird stärker geschätzt und durch Soziale Medien bekommt die Sportart mehr Aufmerksamkeit und Anerkennung. Kritisch bewerte ich den immer größer werdenden Leistungsdruck schon in sehr jungem Alter. Oft stehen Perfektion und Ergebnisse so stark im Fokus, dass der Spaß und die persönliche Entwicklung in den Hintergrund geraten können. Gesundheit, Freude an Bewegung und ein respektvoller Umgang sollten immer an erster Stelle stehen.
Mädchen, die sich für die RSG interessieren, würde ich raten: Probier es aus und habe keine Angst davor, nicht sofort alles perfekt zu können. Am Anfang ist vieles neu und vielleicht auch schwierig, aber mit Geduld und regelmäßigem Training wirst du schnell Fortschritte sehen. Du bist nie allein. Ein ganzes Team und Trainerinnen begleiten dich auf deinem Weg in der RSG.
Leider werde ich mir die WM in Frankfurt nicht vor Ort anschaue, aber über den Livestream mit meinen Gymnastinnen! Ich hoffe bei den WM, dass alle Gymnastinnen ihre Leistungen abrufen, ruhig bleiben und sich nicht vom Druck verunsichern lassen. Sie haben im Training so viel Arbeit und Leidenschaft investiert, dass sie sich genau dafür auf der Fläche präsentieren dürfen.
Ich wünsche mir für die weitere Entwicklung der Sportart, dass die Schönheit, Kreativität und Vielfalt der Sportart stärker wahrgenommen werden. Zudem wünsche ich mir, dass der Leistungsdruck gerade bei jungen Gymnastinnen nicht weiter steigt. Die RSG soll eine Sportart bleiben, in der sich die Mädchen frei entfalten, Selbstvertrauen entwickeln und ihre Persönlichkeit durch Musik und Bewegung ausdrücken können.
Weitere Quellenangaben / Informationen zum Artikel:
Foto: Jeanine Fißler