Ein Nachmittag mit Mirko Gleisberg
– engagiert als Trainer und Ehrenamtler
(Dies ist die Langfassung der Reportage, die in der Ausgabe 1-2026 (März) des BTFB-Verbandsmagazins BewegtBerlin erschienen ist.)

Mirko Gleisberg (Foto: Daniel Hinz)
Orange, Grün, Rosa, Hellblau – der Eingang zur Sporthalle ist bunt und recht ungewöhnlich. Viel Graffiti schmückt das eher unscheinbare Gebäude hier im Hartmannsweiler Weg im grünen Zehlendorf. Nahe der Krummen Lanke und fast „mitten im Wald“ trainiert also auch der Berliner Turn-Nachwuchs!
Hier in der „Leistikow-Halle“ ist die TSG Berlin Steglitz mit Turnerinnen und Turnern zu Gast, aber auch die „Turntalentschule Berlin“ ist hier zu Hause – für Turntalente im Alter von 4 bis 10 Jahren. Außerdem trainieren hier noch Jugendliche für ihre Turnliga-Wettkämpfe.
Bei unserem Besuch an einem Freitagnachmittag im Februar werden wir herzlich begrüßt – Mirko Gleisberg empfängt uns. Er ist hier vor allem Trainer, angestellt bei der TSG Berlin Steglitz. Drinnen hat das Training schon begonnen. Seine aktuell acht zu betreuenden jungen Turner der AK 8 absolvieren gerade das Aufwärmen. „Das dauert immer eine halbe Stunde und bedeutet unter anderem: am Boden Räder, Handstände, Vorwärtsrollen turnen, dann Kniehebelauf, Anfersen, Seitgalopp, Standweitsprung, Klappmesser und mehr.“
Der Wunsch: eine eigene Halle
Co-Trainerin Luci Heise begleitet das Training der Jungs. „Ohne sie würde hier gar nichts gehen, sie ist meine rechte Hand“, sagt Mirko wertschätzend. „Gerade wenn es um die Planung geht, wäre ich ohne sie aufgeschmissen!“
Überhaupt packen hier alle mit an. Es ist wie in einer großen Familie. Der 59-Jährige erklärt: „Da die Turnhalle auch für den Schulsport genutzt wird, muss sie nach jedem Training wieder komplett freigeräumt bzw. vor jedem Training erst hergerichtet werden. Mit ganz vielen Matten, sämtlichen Turngeräten und Hilfsmitteln – einfach mit allem.“
Traumhaft wäre, die Halle allein zu nutzen, um den Aufwand mit Auf- und Abbau nicht mehr zu haben. Zum Glück unterstützen ihn die Trainer und auch Eltern von den Turnkindern. Mirko: „Wenn viele mithelfen, kann das Training schneller beginnen!“
An diesem Freitag steht nach dem Erwärm-Programm die Vorbereitung für die nächsten Wettkämpfe an – zum Beispiel für den TTS-Pokal am 28. März in Chemnitz. Ein bundesweiter Vergleich der Turn-Talentschulen. Einzelne Elemente werden am Pauschenpferd geübt wie das Durchdrücken mit gestreckten Beinen, das Durchbücken, das Schwingen in den Handstand oder das Rückfall-Pendeln. Trainer Gleisberg gibt Hilfestellung und Tipps, lobt und ermutigt.
Herausfordernde Ehrenämter
Von April bis Oktober findet in der „Leistikow-Halle“ von Montag bis Sonntag Training verschiedener Gruppen statt – sieben Tage in der Woche! Mirko Gleisberg ist fast jeden Tag hier, er lebt quasi in der Turnhalle. Nur am Dienstag hat er einen „turnhallenfreien Tag“. Mirko: „Man muss schon ein bisschen verrückt sein, Leidenschaft und Interesse mitbringen, sonst ist das alles nicht zu schaffen!“
Aber wirklich frei hat Mirko dienstags nicht: Denn er ist zudem im BTFB ehrenamtlicher TK-Vorsitzender des Technischen Komitees (TK) Gerätturnen männlich und Fachwart für leistungsorientiertes Gerätturnen männlich. Auch ist er als Dozent und Ausbilder beim BTFB tätig, u.a. in der Trainer C-Ausbildung. Gleisberg: „Ich habe schon ein paar Jahre vorher über meine Arbeit im Verein mit dem Verband zusammengearbeitet und als dann die Positionen im Ehrenamt frei wurden, hat man mich gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, hier den Verband zu unterstützen.“
Die Aufgaben als TK-Vorsitzender sind vielfältig, es geht vorrangig sowohl um die praktische Wettkampf-Organisation als auch um die strategische Entwicklung der Sportart. Das betrifft den Leistungs- und Breitensport zu gleichen Teilen. So sieht er als derzeit größte Herausforderung, „den männlichen Breitensport zu entwickeln und zukunftsfähig zu machen“.
Zukunftsfähige Wettkampfformate
Dabei haben er und seine Mitstreiter in den vergangenen Jahren vieles vorangebracht. Mirko Gleisberg: „Im leistungsorientierten Gerätturnen konnten wir zukunftsfähige neue Wettkampfformate wie den ´Berliner Bären- und Adventspokal´ oder die ´Berlin Open Einzel-/Mannschaftsmeisterschafen´ etablieren. Hier können sich Berliner Nachwuchstalente bundesweit präsentieren und vergleichen. Gleichzeitig ist es eine hervorragende Plattform für die Entwicklung des männlichen Gerätturnens. Des Weiteren haben wir mit ´Berlin sucht die Turn-Talente´ ein Nachwuchsformat zur Identifizierung junger Nachwuchstalente eingeführt, welches sich an Mädchen und Jungen richtet. In beiden Fällen ist dies durch die enge Zusammenarbeit mit dem für Sichtung zuständigen Landestrainer Max von Burkersroda gelungen. Er ist auch derjenige, der das neue Sichtungskonzept kreiert hat und es jetzt weiterentwickelt.“
Eine Voraussetzung für die erfolgreiche Gestaltung derartiger Prozesse ist das Zusammenwirken mit dem Landesverband. „Die Zusammenarbeit ist super! Der BTFB unterstützt mich, wo er kann. Ein großes Dankeschön an die Geschäftsstelle!“
Familiäres Engagement
Bei Gleisbergs ist ehrenamtliches Engagement Familiensache. Die ganze Familie macht mit und ist dem Turnen stark verbunden. So stehen im Verzeichnis der Mitglieder des TK Gerätturnen männlich zwei Gleisbergs, denn Tochter Angelina gehört dem TK ihres Vaters als Fachwartin für Breitensport an. „Seit 2024 habe ich diese Aufgabe übernommen und möchte dazu beitragen, den Sport im Verband wieder aktiv voranzubringen“, sagt die 23-Jährige. „Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass die Bereitschaft, ehrenamtlich tätig zu werden – sei es als Trainer, Kampfrichter oder in anderen Funktionen – kontinuierlich abnimmt. Dies erschwert die zukünftig geplante Durchführung von Wettkämpfen in gewohnter Weise erheblich.“
In ihrem Ehrenamt ist es für Angelina besonders erfüllend, die Freude und den Stolz der Kinder zu erleben, wenn sie bei Wettkämpfen ihr Können zeigen und strahlen. „Diese Momente motivieren mich persönlich, weiterhin engagiert und mit Begeisterung tätig zu sein.“
Zur Wertschätzung gehört für sie auch, dass ihr die Mehrheit der Beteiligten vor allem Dankbarkeit dafür zeigt, dass die Arbeit zum Wohle der Kinder gelistet wird.
Auch Mirkos Frau Natascha und seine jüngere Tochter Alessia sind mit in der Turnhalle – beide sind im Steglitzer Verein als ehrenamtliche Trainerinnen tätig.
… weil wir coole Sachen machen
Inzwischen turnen mehr als 50 Mädchen und Jungen in der Turnhalle (manchmal sind es laut Mirko bis zu 100) – in jeder Ecke der Halle, an jedem Turngerät ist alles in Bewegung. Es herrscht eine gute Atmosphäre, eine wohlgeordnete Stimmung! Jeder weiß, was er zu trainieren hat. Konzentriert und ehrgeizig wird geübt und dennoch ist auch viel Spaß dabei. Heute betreuen 11 von insgesamt 40 Trainerinnen und Trainern im Verein die Aktiven. Gleisberg: „Bei uns im Verein fangen die Trainerinnen und Trainer recht früh als Trainerhelfer an, der Verein finanziert ihre Ausbildungen.“
Gleisbergs junge Turner sind inzwischen beim Reck-Training angekommen und absolvieren Vorübungen zum Unterschwung, um später ins „große Schwingen“ kommen zu können. Co-Trainerin Heise verwendet dafür einen großen Schaumstoffblock als Hilfsmittel. Wenn man die jungen Turner fragt, warum sie nicht Fußball spielen, sondern sich für das Turnen entschieden haben, fällt die Antwort fast einhellig aus. Maximilian (7) spricht gleich mal für alle: „Weil es einfach Spaß macht. Weil wir alle zusammen turnen. Weil wir coole Sachen machen wie das Schlaufentraining am Reck.“
Teamarbeit im Hintergrund
Wichtig ist Mirko Gleisberg zu betonen, dass hier alles in Team-Arbeit stattfindet. Dass neben dem Trainieren der Elemente und Übungen den Kindern auch wichtige Werte vermittelt werden wie Disziplin oder das Verfolgen von Zielen. Dass die Trainer für die Kinder da sind und dass die jungen Aktiven entsprechend ihren Fähigkeiten altersgerecht gefördert werden. Die Entwicklungsgeschwindigkeiten seien sehr unterschiedlich. „Der beste Trainer ist der Trainer, den man nicht kennt“, ist ein schöner Satz von Mirko. Also: Der Ruhm gehört dem Sportler, der Trainer agiert eher im Hintergrund.
Am Ende des dreistündigen Trainings im Südwesten Berlins kommen Mirkos Jungs nochmal zusammen für eine kurze Auswertung: Wie war das Training? Was lief gut? Was kann noch besser werden? Schwächen werden konkret benannt, klare Hinweise für nächste Trainingseinheiten gegeben. Ein Lob bekommt vom Trainer nur, wer es wirklich gut gemacht hat.
Und während die Jungs ihr Training für diesen Freitag „geschafft“ haben, heißt es für die Erwachsenen wieder: kräftig zupacken, ALLES wegräumen und sicher verschließen. Turngeräte, Matten, Hilfsmittel – der „AirFloor“ (große Bodenfläche) wiegt übrigens 580 Kilogramm. Je nach Helferanzahl kann das Aufräumen bis zu 60 Minuten dauern. Für Mirko ist oft nach dem Aufräumen nicht Schluss – da gibt‘s ja noch die Ehrenämter…
Anforderungen werden komplexer
Die Tätigkeit als TK-Vorsitzender hat sich wie in den meisten ehrenamtlichen Gremien in den letzten Jahren verändert, nicht zuletzt durch die zunehmende Digitalisierung. „Dabei sind Digitalisierung und Bürokratie nicht immer kompatibel und sorgen gegebenenfalls für Mehrarbeit. Und die Kommunikation insgesamt hat eine andere Form angenommen“, sagt Mirko Gleisberg. Ist dann aus einer Sicht das Amt des TK-Vorsitzes auf lange Sicht noch im Ehrenamt zu leisten? „Die Anforderungen an das Ehrenamt ändern sich stetig und werden komplexer. Verbände und Vereine durchleben gerade einen gesellschaftlichen und strukturellen Wandel. Wie das Ehrenamt in Zukunft aussieht, bleibt abzuwarten. Die Zielsetzung wird darüber entscheiden, inwieweit jetzige Ehrenämter zukunftsfähig sind.“ Was die Gegenwart angeht, so ist er jedenfalls froh, die Entwicklung des männlichen Gerätturnens in Berlin mitgestalten zu können – als Trainer im Hauptamt und ehrenamtlich als TK-Vorsitzender.
Das möchte er aber zum Schluss noch loswerden: „Neben allen, die mich bei all meinen Tätigkeiten unterstützen, gilt mein besonderer Dank Luci Heise, Max von Burkersroda und Claudio Preil!“
Angelina Gleisberg, 23 Jahre, Fachwartin Gerätturnen männlich Breitensport, Mitglied im TK GTm, TSG Steglitz Berlin, äußert sich zum Thema „Was geht noch im Ehrenamt?“
Angelina, wie bist du zu diesem Ehrenamt gekommen, was ist deine Motivation?
Ich bin als Trainerin in unserem Verein tätig. Nach dem Rücktritt des ehemaligen Fachwarts wurde ich von den Vereinen gefragt, ob ich die Verantwortung für diese Position übernehmen möchte. Das Amt war zuvor für ein Jahr unbesetzt. Seit 2024 habe ich diese Aufgabe übernommen und möchte dazu beitragen, den Sport im Verband wieder aktiv voranzubringen.
Beschreibe bitte kurz deine ehrenamtliche Tätigkeit, welche Aufgaben hast du?
Mein Fachbereich ist dem TK Gerätturnen männlich zugeordnet. Ich bin verantwortlich für den Bereich des männlichen Gerätturnens, der nicht im Rahmen des Leistungssports angesiedelt ist. Zu meinen Aufgaben gehören die Organisation und Terminplanung der Wettkämpfe sowie die Durchführung dieser Veranstaltungen. Zudem unterstütze ich die Vereine in ihrer Arbeit, um die Nachwuchsförderung und die Vereinsentwicklung bestmöglich zu fördern.
Was habt ihr im TK in den vergangenen Jahren erreicht, worauf seid ihr besonders stolz?
Wir haben es geschafft ein paar Strukturen wieder zu integrieren, allerdings stehen wir immer noch vor großen Herausforderungen.
Worin bestehen derzeit die größten Herausforderungen?
Die Herausforderungen im Verband sind vielschichtig. Zum einen verringert sich jährlich die verfügbare Hallenzeit für Wettkämpfe, was die Terminplanung zunehmend erschwert. Zudem ist die Anzahl der Vereine, die im männlichen Gerätturnen aktiv sind, rückläufig, was zu einer geringeren Teilnehmerzahl führt und den Verband finanziell belastet. Auch die personelle Situation bei den Kampfrichtern ist allgemein angespannt. Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass die Bereitschaft, ehrenamtlich tätig zu werden – sei es als Trainer, Kampfrichter oder in anderen Funktionen – kontinuierlich abnimmt. Dies erschwert die zukünftig geplante Durchführung von Wettkämpfen in gewohnter Weise erheblich.
In welchem Bereich könntet ihr Nachwuchs im Ehrenamt gebrauchen?
Die Gesellschaft befindet sich derzeit im Wandel. Die Bereitschaft, ehrenamtliche Tätigkeiten auszuüben, nimmt ab, was sich auch auf die Vereine auswirkt. Daher halte ich es für notwendig, die Trainertätigkeit im Ehrenamt attraktiver zu gestalten und die Bedeutung sowie den Wert des Ehrenamts stärker hervorzuheben, um nachhaltige Motivation und Engagement zu fördern.
Ist deine Tätigkeit in den letzten Jahren schwieriger geworden (Digitalisierung, Bürokratie) oder gibt es auch Erleichterungen?
Insgesamt hat sich die Arbeit dadurch deutlich vereinfacht. Allerdings ist der Zeitaufwand aus meiner Sicht etwas angestiegen. Trotz dieser Veränderung sehe ich die Vorteile der neuen Arbeitsweise überwiegend positiv.
Wie zufrieden bist du mit der Zusammenarbeit mit dem Hauptamt im BTFB?
Großartig. Der BTFB unterstützt mich in den Bereichen, in denen Unterstützung erforderlich ist. Mein herzlicher Dank gilt insbesondere dem Bereich Wettkampforganisation für die tatkräftige Unterstützung.
Fühlst du dich in deinem Ehrenamt wertgeschätzt – wodurch und von wem?
Insgesamt ist die Resonanz positiv. Gelegentlich kommt es jedoch vor, dass einzelne Personen den zeitlichen Aufwand und die Anstrengungen, die mit diesem Ehrenamt verbunden sind, nicht vollständig nachvollziehen können. Ebenso wird manchmal missverstanden, dass bestimmte Zwischenfälle nicht absichtlich geschehen. Solche Situationen sind jedoch ausgesprochen selten. Die Mehrheit der Beteiligten zeigt vor allem Dankbarkeit dafür, dass diese Arbeit zum Wohle der Kinder geleistet wird.
Im Rückblick: Was waren schönste Erinnerungen, besondere Momente in deiner ehrenamtlichen Tätigkeit?
Besonders erfüllend ist es, die Freude und den Stolz der Kinder zu erleben, wenn sie bei Wettkämpfen ihr Können zeigen und strahlen. Diese Momente motivieren mich persönlich, weiterhin engagiert und mit Begeisterung tätig zu sein.
Ausblick: Was steht in deinem Gremium als nächstes für euch an, worauf freust du dich?
Für dieses Jahr sind noch mehrere Wettkämpfe geplant, die wir größtenteils öffentlich ausschreiben möchten, um auch Teilnehmer aus benachbarten Bundesländern zu gewinnen und somit unsere Reichweite zu erhöhen. Für das kommende Jahr prüfen wir derzeit verschiedene Unterstützungsmaßnahmen für die Vereine, um die Nachwuchsförderung aktiv zu erleichtern und langfristig zu stärken.
Wem willst du vielleicht Danke sagen?
Ich werde von einem engagierten Team unterstützt, das mich in zahlreichen Belangen maßgeblich entlastet. Ohne diese Unterstützung wäre vieles nicht möglich, insbesondere bei der Erstellung der Bewertungslisten. Aufgrund meiner beruflichen Verpflichtungen kann ich nicht immer persönlich bei den Wettkämpfen anwesend sein, weshalb diese Aufgaben von meinem Team übernommen werden. An dieser Stelle möchte ich mich herzlich bei euch für euren Einsatz und eure Unterstützung bedanken. Vielen Dank für alles.
Weitere Quellenangaben / Informationen zum Artikel:
BewegtBerlin/Gritt Ockert, Foto: Daniel Hinz