5 Fragen an … Manfred Nippe

Manfred Nippe, Ehrenmitglied und Beauftragter für Sportgeschichte des LSB Berlin, erinnert sich an die Zeit als Redakteur der Berliner Turnzeitung und beantwortet 5 Fragen zum BTFB-Jubiläum. 

                                                                                   

Manfred Nippe äußert sich in der BewegtBerlin-Sonderausgabe „75 Jahre BTFB“.

 

1. Wer?

Ich bin mit 8 Jahren 1950 in den TuS Neukölln eingetreten, das war vor 75 Jahren. Damals noch mit einem Brikett – das war eine gepresste Kohle – im Turnbeutel, um die vereinseigene Turnhalle in der Werbellinstraße zu heizen. Später dann aktiv in der Turnhalle Emser Straße als Jungvorturner und Vorturner im Kinder- und Jugendturnen, im Sommer auch als Übungsleiter in der Leichtathletik auf den Sportplätzen Columbiadamm und Maybachufer. Mein erstes Deutsches Turnfest war 1958 in München beim Zeltlager auf dem Flaucher. Ehrenämter im Verein und in der Jugendarbeit kamen hinzu, von 1969 bis 1979 auch im Berliner Turnerbund als Redakteur der Berliner Turnzeitung und Landespressewart im Vorstand. Von 1967 bis 1970 dann die „Berufung“ als hauptamtlicher Jugendsekretär des Deutschen Turnfestes Berlin 1968 und des Turnerbundes, anschließend Wechsel zum Landessportbund als Jugendreferent und Mitglied der Direktion. Schwerpunkt im Ruhestand: Zeitgeschichte des Sports, so Mitarbeit in der Jahn-Gesellschaft und dem Forum für Sportgeschichte.

Zur Person

Manfred Nippe, Ehrenmitglied und Beauftragter für Sportgeschichte des LSB Berlin

Manfred Nippe, Jahrgang 1941, ist Ehrenmitglied und Beauftragter für Sportgeschichte des LSB Berlin; von 1969 – 1979 war er Redakteur der BTZ im BTB. Er ist seit 75 Jahren Mitglied beim TuS Neukölln.

2. Wert?

Da wären Vielseitigkeit, Fairness und demokratisches Miteinander im Turnverein. Vor allem die Erinnerung an tolle und unterschiedliche Menschen – wir nannten sie noch Turnbrüder und Turnschwestern -, die beim Training und der Betreuung, bei Veranstaltungen und in der Verwaltung mit angepackt haben. Das in einem Verband, der historisch und politisch die von Turnvater Jahn begründete Vereinssportbewegung zum Erfolg führt und unsere Zivilgesellschaft prägt.

 

3. Stolz?

Die 1970 eingeführte Landesliga im Kinderturnen war ein Meilenstein im Gerätturnen. Genauso wie die Verabschiedung der ersten Jugendordnung der Turnerjugend, die Mitbestimmung in den Turnvereinen und junges Engagement ermöglichte. Als Pressewart konnte ich die neuen Sportarten Rhythmische Sportgymnastik und Trampolinturnen mit auf den Weg bringen. Das erforderte Teamarbeit und das „Abschneiden von alten Zöpfen“ in vielen Vereinen. Ein Erfolg waren die ersten „Fachwartetagungen“ unter Leitung von Erich Wels, dem heutigen BTFB-Kongress in Kienbaum. Sie lösten einen Run auf die Vereine aus und stehen für Modernität und Zukunft. Das gilt auch für die Gymnastikforen bis zum schon traditionellen Feuerwerk der Turnkunst. Auch eine Erfolgsgeschichte.

 

4. Unvergesslich?

Natürlich die Turnfeste und die Gymnaestraden und vor allem das Zeltlager der Turnerjugend auf Baltrum, in dem ich meine Frau Christa kennenlernte. Eine Sternstunde war 1975 bei der Gymnaestrada der international bejubelte Auftritt von Sportstudierenden bei einer Jazz-Gymnastik mit Behinderten im Rollstuhl, die Bilder von der Abschlussveranstaltung in der Eissporthalle unterm Funkturm gingen um die Welt. Sie haben den Sport in Richtung Integration und Inklusion geöffnet. Ein Politkrimi dagegen war die Teilnahme eines Eingeborenen-Stammes aus dem damaligen Apartheidstaat Südafrika, der zu Auseinandersetzungen zwischen Ost und West, aber auch dem IOC und der UN, führte. Er löst heute noch bei Beteiligten des Organisationskomitees, so auch bei mir als Pressechef, Gefühle der Fremdbestimmung und Schuld aus.

 

5. Wünsche?

Weiter so. Begeisterung und Ehrenamt in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, Frauen und Männern, Behinderten, Zugewanderten und Ausgegrenzten. Auch erfolgreiche Nachwuchs- und Trainingsarbeit beim Weg zu Olympischen Spielen, Paralympics und Weltmeisterschaften. Der Berliner Turn- und Freizeitsportbund kann das.



Externe Links zum Artikel:
» Homepage von Manfred Nippe
» Artikel "Turner auf zum Streite: Der “Berliner Turnrath” – erster Sportverband der Hauptstadt"
» Berliner Turnzeitung "20 Jahre BTB"

Weitere Quellenangaben / Informationen zum Artikel:
Foto: privat
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