Interview mit Aerobictrainerin Jana Borchardt

Das Aerobicturnteam des SC Berlin beim Turnfest Leipzig 2025.

Das Aerobicturnteam des SC Berlin beim Turnfest Leipzig 2025.

Interview mit Jana Borchardt vom SC Berlin, Trainerin Aerobic-Turnen, FIG-Kampfrichterin

 

Gritt Ockert führte das Interview noch in Leipzig, am letzten Tag des Turnfestes, am 1. Juni 2025

 

Wie sind die Wettkämpfe für die Berliner Schützlinge gelaufen, sind Sie zufrieden?

Ich bin sehr zufrieden. Alle Berliner Aerobicsportler:innen haben ihre Leistungen abrufen können, zum Teil sogar ihre beste Saisonleistung gezeigt. Das wurde mit vielen Medaillen belohnt, worauf ich wirklich stolz bin. Einzig unser kleines Trio musste seinen Start absagen, da sich Annie kurz bevor es auf die Fläche hätte gehen sollen, verletzte. Das war sehr schade, da unsere drei „Kleinen“ auf Finalkurs waren. Flora und Ava haben dann bewundernswert spontan die Übung auf ein Duo umgestellt und konnten, zwar außer Konkurrenz, wenigsten die Übung präsentieren.

 

Waren die Erfolge vorherzusehen oder eher überraschend?

Mit einigen Medaillen und Finaleinzügen habe ich gerechnet bzw. es erwartet. Da ist z.B. die Goldmedaille von Tabea Baumann. Sie hat die gesamte Saison souverän an der nationalen Spitze der AK 15-17 im Einzel gestanden und auch international auf sich aufmerksam gemacht. Auch unsere Senior:innengruppe hat die Erwartungen erfüllt und sich den Vizemeister-Titel gesichert. Da wurde es am Ende noch einmal ganz eng und wir haben ein bisschen wenigstens am Titel gekratzt.

 

Worauf sind Sie besonders stolz?

Am meisten erfüllt mich der Zusammenhalt im Aerobicteam Berlin mit Stolz, den ich in Leipzig ganz besonders gespürt habe. Ich habe 2012 die Gruppe ins Leben gerufen und viele von den Sportler:innen der ersten Jahre sind immer noch dabei. Das ist toll! Wir konnten zum ersten Mal im Erwachsenen-Bereich der AK 18+ in allen Kategorien Sportler:innen an den Start bringen – damit waren der einzige Verein, der das schaffte.

 

War es etwas Besonderes, die nationalen Titelkämpfe im Rahmen des Turnfestes auszurichten? Hat die Sportart davon profitiert?

Ich finde die Turnfeste immer sehr besonders, da eine schöne, ausgelassene und sehr anerkennende Atmosphäre herrscht. Auch wenn es für die Sportler:innen und auch die Kampfrichter:innen eine Herausforderung ist, sich auf den Wettkampf zu konzentrieren und sich nicht durch die vielen Zuschauer:innen und den Publikumsverkehr abzulenken, ist es vor allem das, was einer Sportart wie unserer absolut gut tut. Ich habe am Rande mitbekommen, dass wir doch einige interessierte Anfragen aus dem Publikum hatten, die unsere Sportart nicht kannten. Das ist gute Werbung.

 

Wie war die Atmosphäre in der Messehalle 3?

Wir als TK haben versucht, dem Anlass einer Deutschen Meisterschaft entsprechend unsere Halle optisch ansprechend herzurichten. Das war gar nicht so einfach, da die Messehalle in einer ganz großen Halle lag und es anders als sonst keinen Ausrichter aus den Reihen der Vereine gab. Am Ende war ich aber sehr zufrieden mit der Optik. Und trotz der vielen Angebote drum herum und einem stetigen Wuseln auf den Tribünen und um unseren Bereich herum fühlte ich mich dennoch ganz wohl.

 

Was wird von den Wettkämpfen und vom Turnfest in Erinnerung bleiben?

Für mich bleibt besonders das harmonische Miteinander der vielen Menschen und Vereine in Erinnerung. Als Stadt hat sich Leipzig toll präsentiert und sich prima auf alles eingestellt.

 

Was war der emotionalste Moment?

Da wiederhole ich mich. Aber es war wirklich dieses Teamgefühl, dass ich vom Kampfrichter:innetisch gesehen und gespürt habe. Die Mädels und Luis haben sich miteinander gefreut, sich angespornt, aber auch getröstet. So hat Annie ihre beiden Triokolleginnen mit ihrem verletzten Fuß von der Seite unterstützt, Ava und Flora wiederum sind nach ihrer Übung direkt zu ihr gegangen. Das sind tolle Bilder, die ich sehr gerne in Erinnerung habe.

 

Was waren für die Berliner Aerobicer die größten Herausforderungen auf dem Weg zum Turnfest?

Es sind nach wie vor keine einfachen Trainingsbedingungen, da wir in Berlin in zu vielen Hallen trainieren müssen. Zudem ist es in den letzten Jahren immer ungewiss gewesen, ob wir die Hallen in der nächsten Saison überhaupt noch nutzen können. Wir können somit auch keine Trainingsmaterialien/-hilfen deponieren und müssen nicht selten etwas improvisieren. Auch ein Aerobic-Turnboden steht uns nicht zur Verfügung. Herausfordernd ist aber auch, dass Schule, Studium und Beruf nicht zu kurz kommen dürfen.

 

Was haben Sie von Leipzig sehen können? Was haben Sie und die Aktiven vom Turnfest noch erleben können?

Leider hatten wir unsere Wettkämpfe von Freitag bis Sonntagabend. Hinzu kam die Organisation des Wettkampfes und Koordination der Kampfrichter:innen. Da bleib wenig Zeit, das Turnfest und die Stadt außerhalb des Aerobicturnens zu genießen. Ich war aber mit meinem Mann beim Völkerschlachtdenkmal, und wir haben uns den Mehrkampf der Männer (EM) angeschaut. Mit unserem Erwachsenenteam habe ich dann noch die Stadiongala besucht. Da kamen doch einige Erinnerungen hoch, da mein Mann und ich 1983 selbst hier auf dem Rasen standen und unsere Übung turnten. Das war beim VII. Leipziger Turn- und Sportfest, das Stadion hieß damals noch „Zentralstadion“.

 

Welche nächsten Wettkämpfe stehen jetzt an?

Für vier Sportlerinnen steht in gut einer Woche noch ein internationales Clubmeeting in Spanien an. Alle anderen „fahren jetzt etwas runter“. Nach einer verdienten Pause werden wir dann alle die neue Saison starten und da wird der Bundeskadertest ein wichtiger Wettkampf sein. Tabea wird als Mitglied der Junior:innen-Nationalmannschaft im November zu den Europameisterschaften na Baku fahren, wo sie vermutlich in drei Kategorien an den Start gehen wird. Und dann schauen wir mal…



Externe Links zum Artikel:
» Berliner Erfolge beim Turnfest Leipzig 2025

Weitere Quellenangaben / Informationen zum Artikel:
Das Interview führte Gritt Ockert | Foto: Jana Borchardt