Was es für eine gute RSG-Kampfrichterin braucht

Verena Brink spricht in der Ausgabe 2-2026 des BTFB-Verbandsmagazins BewegtBerlin über die „Faszination RSG“ und über die Aufgaben einer Kampfrichterin.

Zur Person

 

Verena Brink (41) ist Mitglied im Berliner TSC, Lehrerin für Englisch und Spanisch an einer ISS, seit 2006 in Berlin ehrenamtliche Trainerin (bis 2012 beim OSC) und Kampfrichterin. Von 2018 bis 2020 war sie Mitglied im Ausschuss RSG in Berlin und LKO (Landeskampfrichterobfrau), seit September 2025 ist sie Mitglied im TK-RSG als Verantwortliche für Kampfrichterwesen; seit 2017 Internationales Kampfrichter-Brevet.

Verena Brink, RSG Kampfrichterin (Foto: privat)

Faszinierend an der RSG finde ich die Abwechslung der Handgeräte, dass die Gymnastinnen mit ihren Übungen eine Geschichte erzählen können und das Zusammenspiel von Körper und Handgerät.

 

Mit 5 Jahren war ich beim Kinderturnen und als meine Übungsleiterin damals meine höhere Flexibilität und schnellere Auffassungsgabe bemerkt hat, hat sie mich zur Beginnergruppe der RSG in der TSG Neu-Isenburg geschickt, das war 1990/1991.

 

Kurzgefasst sind die Hauptaufgaben einer Kampfrichter-Verantwortlichen im TK bzw. im Verband die Aus- und Fortbildung der Kampfrichterinnen und Kampfrichter auf nationaler Ebene und die Koordination der Einsätze für die einzelnen Bundeswettkämpfe.

 

Um eine gute Kampfrichterin zu werden, braucht man Hingabe. Man sollte wissbegierig und diszipliniert sein, sich weiterbilden zu wollen. Man sollte sich auch der Verantwortung gegenüber den GymnastInnen und Gruppen bewusst sein. Darüber hinaus sollte sich bewusst sein, dass es eine zeitintensive Tätigkeit ist und man sollte Spaß haben an der Sportart und dem Kampfrichter-Dasein.

 

Besonders stolz in der RSG bin ich natürlich auf die Erfolge der letzten Jahre wie den WM-Titel und den Olympiasieg von Darja Varfolomeev und das dadurch größer werdende Interesse an der RSG. In Berlin sind viele Gymnastinnen Teil der Nationalmannschaft Gruppe gewesen oder aktuell Teil davon. Das spricht für die gute Arbeit am Stützpunkt.

 

Das Wertungssystem ist für Außenstehende immer noch schwer zu verstehen und in Teilen nachzuvollziehen, allerdings ist durch die 4 einzelnen Teilnoten eine fairere Bewertung entstanden. Die Schwierigkeitswerte sind auch für Kampfrichterinnen und Kampfrichter leichter zu bewerten, weil sie klarer definiert sind. Seit dem neueren Code de Pointage ist der Artistikwert (die künstlerische Komponente) jedoch etwas komplizierter und braucht viel Übung. Am Ende geht es darum, dass der finale Mittelwert wirklich die gezeigte Leistung der Gymnastin widerspiegelt.

Kritisch sehe ich immer noch, dass einige Kampfrichterinnen und Kampfrichter nicht ganz objektiv bewerten können, wenn ihre eigenen GymnastInnen oder Gruppen turnen. Ein anderer Punkt ist, dass manche Kampfrichterinnen und Kampfrichter sich nicht ausführlich genug mit dem Regelwerk auseinandersetzen. Sie kennen zwar die Regeln, verstehen sie aber nicht und können sie daher nicht korrekt anwenden. Manche denken, dass es einen Interpretationsspielraum gibt, dies ist aber nicht der Fall.

 

Die größten Herausforderungen in meiner Tätigkeit sehe ich hauptsächlich in der Organisation und Koordination der einzelnen Kampfrichterinnen und Kampfrichter zu den Bundeswettkämpfen. Dazu gehört, viele Listen zu führen und Einsätze zu planen. Hinzu kommen die Sitzpläne und dann die Erarbeitung der Fort- und Ausbildungen. Glücklicherweise habe ich einen tollen Ausschuss und wir arbeiten gut als Team zusammen, sodass Aufgaben aufgeteilt werden können. Auch die anderen TK-Mitglieder unterstützen mich sehr in meiner neuen Aufgabe.

 

Die Zusammenarbeit mit dem BTFB bezüglich meiner ehrenamtlichen Aktivitäten war die letzten Jahre immer gut und der BTFB hat mich immer unterstützt.

 

Ob sich die Sportart noch weiter öffnen sollte, z.B. für männliche Aktive? Wir haben schon ein paar (wenige) männliche Aktive, aber grundsätzlich gibt es keine Regeln und oder Bestimmungen, die Jungen die Ausübung und die Teilnahme an Wettkämpfen verbietet. Allerdings stecken wir da in Deutschland noch in den Kinderschuhen im Vergleich zu anderen europäischen Ländern, wie z.B. Spanien.

 

Bei der WM in Frankfurt bin ich natürlich dabei! Ich bin als Helferin für das Kampfgericht eingesetzt und freue mich schon sehr auf die Erfahrung, bei so einem großen Event dabei sein zu dürfen. Früher, als es noch den Grand Prix in Berlin gab, war ich auch schon als Helferin dabei und fand es immer spannend.

 

Natürlich wünsche ich mir für die WM maximale Erfolge für die deutschen Gymnastinnen und die Gruppe und hoffe, dass es den einen oder anderen Titel geben wird. Und dass es ein tolles Event wird für alle Zuschauer, die hoffentlich zahlreich erscheinen werden und für gute Stimmung sorgen.

 

Für die weitere Entwicklung der Sportart würde ich mir wünschen, dass die RSG noch weiter an öffentlichem Interesse gewinnt und sichtbarer wird. Früher wurden Wettkämpfe noch im Fernsehen übertragen (z.B. bei Eurosport). Ich würde mir wünschen, dass das wieder der Fall ist, dass wir wieder präsenter werden in der Medienwelt und nicht nur ein kleiner Beitrag mal eben in der Sportschau. Hinzu kommt, dass der DTB immer noch mehr an seiner Unterstützung des Sports arbeiten könnte. Es gibt sehr sehr viele Ehrenamtliche, die mit viel Engagement und Herzblut dabei sind, um Wettkämpfe etc. auf die Beine zu stellen, aber es gibt für die Ausrichtung kaum Unterstützung vom DTB – weder in finanzieller Hinsicht noch anderweitig und das finde ich sehr schade. Die Hintergrundarbeit sollte mehr gewürdigt werden, um diese Helfer bei der Stange zu halten.



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