Wichtig ist die objektive, faire Beurteilung von Leistung

Sonja Kujawski (27), Verbandstrainerin am BSP RSG Berlin, DOSB Diplom Trainerin

sportlicher Werdegang: mit 7 Jahren mit der RSG angefangen, mehrfache Berliner Meisterin im Einzel und der Gruppe, mehrfache Deutsche Vize-Meisterin in der Gruppe, Finalistin bei den Deutschen Meisterschaften im Einzel, Umzug nach Bremen 2012-2013 für die Junioren-Nationalmannschaft, mit 17 Jahren Karriereende aus gesundheitlichen Gründen – direkter Einstieg in die Trainerschiene bis heute, seit 2021 Landeskampfrichter-Verantwortliche in Berlin; seit 2022 FIG-Kampfrichterin; seit 2024 DOSB Diplom-Trainerin

 

Sonja Kujawski äußert sich in BewegtBerlin, Ausgabe 5/2025.

 

Was bedeutet allgemein Leistung für dich – wie definierst du den Begriff für dich selbst?

Über seine eigenen Grenzen hinauszugehen und jeden Tag was Neues zu lernen, egal wie klein der Fortschritt ist.

 

Welchen Leistungsanspruch hattest/hast du an dich selbst – als aktive Gymnastin/jetzt als Trainerin?

Als Gymnastin: Verlustfrei zu turnen und zufrieden mit der eigenen Leistung im Training und Wettkampf zu sein, als Trainerin: Jede einzelne Gymnastin an ihr individuelles Maximum zu bringen und dies Schritt für Schritt in ihrer eigenen Geschwindigkeit.

 

Was war für dich die größte Leistung, die du erbracht hast, worauf bist du besonders stolz?

Als Gymnastin: Junior Nationalmannschaft. Als Trainerin: Meine Gymnastinnen und mich als Deutschland präsentieren zu dürfen.

 

Aus deiner persönlichen Erfahrung: Welche Rolle spielt der Leistungsgedanke/die Leistungserbringung für die Persönlichkeitsentwicklung?

Es lehrt die Disziplin, die Motivationsfähigkeit, das Durchhaltevermögen, den Umgang mit Misserfolgen…

 

Warum, mit welcher Motivation bist du Trainerin geworden?

Ich wollte schon immer all das zurückgeben, was mir als Gymnastin gegeben wurde. Und natürlich die Leidenschaft zum Sport! Ich habe meine Leidenschaft zum Beruf gemacht.

 

Wie sollte ein Trainerin-Athletin-Verhältnis sein, um bestmögliche Leistungen zu erreichen?

Vertrauen und Respekt sollte auf Gegenseitigkeit beruhen. Man sollte sich über alles austauschen können und sich auf Augenhöhe begegnen.

 

Wie wichtig sind dabei die Themen Wertschätzung / Kinderschutz?

Sehr! Wir verbringen so viel Zeit mit den Gymnastinnen und sind wie eine zweite Familie für sie. Die Privatsphäre der Gymnastinnen muss trotz alldem respektiert werden, damit sie sich wohl fühlen und sich ohne Scheu frei entfalten können.

 

Was sind sonst noch wichtige Rahmenbedingungen für sportliche Höchstleistung?

Die Familie, die Trainingsbedingungen und das soziale Umfeld. Die Familie, die hinter dem Sport und dem Kind stehen und es bestmöglich unterstützen. Die Hallen- , Trainings- und Schulbedingungen müssen kompatibel sein mit dem zeitintensiven Sport. Das soziale Umfeld, welches unterstützend und einen positiven Einfluss auf die Weiterentwicklung des Individuums haben sollte.

 

Was wünschst du dir vom BTFB zum gesamten Thema?

Weiterhin viel Unterstützung im Sport, damit er so attraktiv bleibt für alle wie er ist!

 

Du bist auch Kampfrichterin: Wie wichtig ist eine objektive, faire Wertung/Beurteilung von Leistung und welche Entwicklung siehst du diesbezüglich in deiner Sportart in den letzten Jahren?

Sehr wichtig! Das war eines der Gründe, wieso ich Landeskampfrichterin wurde! Jede Gymnastin hat die Chance verdient fair behandelt und bewertet zu werden. Auf internationaler Ebene sehe ich da schon große Fortschritte.

 

Was möchtest du künftig durch Leistung in deinem Beruf erreichen, welche Ziele setzt du dir?

Ganz simpel: Eine anerkannte Trainerin und Kampfrichterin zu sein. Da ich noch jung bin, werde ich oft nicht ernst genommen. Durch die Erfolge, die dazukommen, kommt auch mehr Anerkennung und Wertschätzung.

 

Welche sportlichen Leistungen außerhalb deiner Sportart und welche außerhalb des Sports bewunderst du?

Ich bewundere alle Trainerinnen mit eigenen Kindern!



Weitere Quellenangaben / Informationen zum Artikel:
Die Fragen stellte Sonja Schmeißer | Foto: Juri Reetz