Die Kapitänin 2000 und ihr Engagement heute

Jeanine Fißler, Mitglied und Kapitänin der legendären „Gruppe 2000“, blickt in Ausgabe 2-2026 des BTFB-Verbandsmagazins BewegtBerlin zurück auf das Erlebnis Olympische Spiele 2000 und darauf, wie die RSG ihr Leben beeinflusst hat.

Zur Person: 

Jeanine Fißler, RSG, Gruppe 2000 (Foto: Dirk Zimmermann)

 

Jeanine Fißler, von 1997 – 2000 Mitglied der Nationalmannschaft Gruppe; in Sydney Kapitänin der Gruppe; Verein: Berliner TSC.

 

Ich bin Führungskraft für ein Team in einem Unternehmen des Bundes, das mit interner Kommunikation, Personalwesen, Veränderungsbegleitung/Teamentwicklung und Personalentwicklung betraut ist.

 

Ich lebe mit meiner Familie mit 2 Söhnen (16 und 13 Jahre) in Berlin.

Was ist so faszinierend an der RSG?

Die Rhythmische Sportgymnastik fasziniert mich, weil sie anmutig, kreativ, künstlerisch, sportlich, tänzerisch und anspruchsvoll zugleich ist und weil sich die Sportart immer weiterentwickelt.

 

Die Olympischen Spiele 2000 …

Die Teilnahme an den Olympischen Spielen war die Belohnung für viel Arbeit, für Nicht-Aufgeben, Dranbleiben, Grenzen überwinden, ehrgeizig sein und den Sport an höchster Position in dieser Lebensphase zu priorisieren. Die Spiele waren toll und eindrucksvoll: So viele großartige Sportler an einem Ort. Sydney als beeindruckende Stadt, Support und Fokus des Teams. Es waren damals so viele Eindrücke – wir waren jung und hatten unsere Wettkämpfe erst am Ende der OS. Wir waren so im Fokus, dass ich mir sicher bin, vieles gar nicht richtig wahrgenommen oder ausreichend in der Erinnerung verankert zu haben.
Ein Highlight war auf jeden Fall die Abschlussfeier. Das war für mich ein sehr emotionaler Moment als das Feuer erlosch, denn es war nicht nur das Ende dieses Ausnahmeevents, sondern auch mein Abschied aus der Nationalmannschaft, meine Rückkehr nach Berlin und das Zurücklassen von alldem, was fast vier Jahre lang mein Leben bestimmt hat: die Gruppe, Freunde, Trainer, das Umfeld – aber auch der Sinn der damaligen Lebensphase.

 

Bist du der RSG verbunden geblieben?

Nach einer Pause wirke ich wieder an verschiedenen Stellen in Berlin mit. Im Berliner TSC: Abteilungsleitung und Trainerin einer Juniorengruppe, im BTFB: Wettkampfvorbereitung und -koordination; außerdem Ausbildung zur Yogalehrerin: Yogaunterricht, generell weiterhin eine gute Vernetzung im Sport. Dennoch würde ich gern mehr Sport selber machen. Das kommt vor lauter Aktivität für andere derzeit etwas zu kurz.

 

Was hat dir die RSG-Zeit für dein weiteres Leben gegeben?

Eigenschaften wie: Durchbeißen können, Disziplin, Ehrgeiz, Teamarbeit; das Wissen, dass wir mehr können/mehr möglich ist, als wir häufig glauben; die Dankbarkeit für die Chancen, die Unterstützung und die Begleitung (Trainer, Ballettfachkräfte, Schule, Physios und Ärzte) und für das „Loslassen“ meiner Eltern. Sie haben mich ziehen lassen, mich nie eingeschränkt und gleichzeitig waren sie immer mein Netz, in das ich jederzeit hätte zurückfallen können. Das versuche ich bei der Erziehung meiner Söhne und der Unterstützung ihrer Hobbys und Fähigkeiten gleichermaßen zu leben und weiterzugeben.

 

Was sagst du zur Entwicklung der RSG in Deutschland heute?

In Deutschland: Tolle Entwicklung mit großartigen Leistungen im Einzelbereich; tolle Vorbilder für junge Gymnastinnen.

Allgemein: Der Sport hat sich verändert zu damals (2000): ist schneller, artistischer geworden, es gibt z.T. neue Elemente; insbesondere aber die Virtuosität mit den Handgeräten ist höher.

In Berlin: Wir haben den Bundesstützpunkt mit regelmäßiger Delegation von Berliner Gymnastinnen in die Nationalmannschaft (Gruppe und Juniorinnen) und eine stetig steigende Anzahl von Vereinen = erhöhte Konkurrenz. Das ist aus Vereinsperspektive herausfordernd, aber es erhöht das Niveau in Berlin insgesamt.



Weitere Quellenangaben / Informationen zum Artikel:
Foto: Dirk Zimmermann