Die RSG wurde für mich zur zweiten Familie

Warum Edita Enev (geb. Schaufler), Einzelstarterin bei den Olympischen Spielen 2000, sich früh für die RSG entschieden hat und was ihr der Sport bis heute bedeutet, erzählt sie in Ausgabe 2-2026 des BTFB-Verbandsmagazins BewegtBerlin.

Zur Person: 

(Foto: Falk Lindemann)

 

Edita Enev (geb. Schaufler) ist ehemalige Einzel-Gymnastin und trainierte von 1993 bis 2001 am Stützpunkt beim TV Wattenscheid 01. Sie ist 14-malige Deutsche RSG-Meisterin und Teilnehmerin der Olympischen Spiele 2000.
Heute ist sie Mitarbeiterin der Agentur für Arbeit, wohnt in Bochum, ist verheiratet und Mutter einer 16-jährigen Tochter.

 

Warum ausgerechnet RSG?
Am Anfang war es für mich vor allem der Bewegungsdrang und der Ehrgeiz, neue Elemente zu lernen und mit den Geräten immer neue Techniken zu beherrschen. Gleichzeitig standen auch die Freundschaften mit den anderen Kindern in der Gruppe im Vordergrund.

Mit der Zeit hat sich die Rhythmische Sportgymnastik für mich zu einer zweiten Familie entwickelt. Die Freundschaften wurden enger und auch die Beziehung zu meinen Trainern war viel intensiver als in anderen Bereichen, etwa in der Schule. Später kamen die Erfolge dazu – und damit auch ein wachsendes Verantwortungsbewusstsein. Es wurde mir wichtig, meinen Verein und mein Land bei internationalen Wettkämpfen würdig zu vertreten, sei es bei Europa- oder Welt-Meisterschaften. Die Ziele wurden immer höher gesteckt und genau dieser Ansporn hat mich motiviert, ständig an mir zu arbeiten und mich weiterzuentwickeln.

Ich bin immer sehr gerne zum Training gegangen, habe mich in der Halle wohlgefühlt und besonders den Trainingsprozess geliebt – dieses kontinuierliche Feilen an den Details, die Verfeinerung der Elemente bis hin zur Perfektion. Genau darin lag für mich die besondere Faszination dieser Sportart.

 

Hauptberuflich arbeite ich als Berufsberaterin mit jungen Menschen zusammen, an Schulen, in der Agentur für Arbeit und auch mal an anderen Orten (z.B. auf Messen/in Stadien). Dabei unterstütze ich die Jugendlichen bei den ersten Schritten ins Berufsleben, sei es bei der Ausbildungswahl oder der Studienentscheidung und natürlich auch bei der Umsetzung der vorgenommenen Ziele. In meiner Freizeit bin ich immer noch gerne in der Sporthalle und gebe einige Kurse: Kindertanz oder auch Gesundheitssport für Erwachsene. Mit großer Freude unterstütze ich auch die Nachwuchsarbeit in der RSG in meinem Heimverein Wattenscheid. Auch bin ich hin und wieder mal bei den Wettkämpfen – als Kampfrichterin dabei. Lokal bekomme ich viel Anerkennung für die geleistete Arbeit. 2023 wurde ich vom Stadtsportbund Bochum und vom Bürgermeister zur „Sportbürgerin“ ausgezeichnet und für die Leistungen geehrt.

 

Olympische Spiele war für mich, wie für viele Sportlerinnen und Sportler, der höchstmögliche erreichbare Wettkampf, ein absolutes sportliches Highlight. Der Weg dorthin war sehr sehr hart. Ich war natürlich sehr glücklich, es so weit geschafft zu haben. Ich habe viele schöne Erinnerungen an die Spiele, aber natürlich auch die große Enttäuschung über meinen damaligen Ballverlust und damit auch der Verlust des 6. Platzes, welchen ich vor der Ballübung erreicht hatte.

 

Meine aktive RSG-Zeit hat mir für mein weiteres Leben vor allem Disziplin, Ehrgeiz, Zielstrebigkeit gegeben und Dankbarkeit gegenüber meiner Trainerin Livia Medilanski und dem Ballettmeister Fernande Cortizo für ihre Arbeit, ihren Glauben an mich. Der Dank gilt auch meinen Eltern, die immer hinter mir gestanden haben und auch unseren damaligen Sponsor Herrn Steilmann. Ohne seine großzügige Unterstützung wären die Erfolge nicht möglich gewesen. Bedanken möchte ich mich auch für die Wertschätzung der Menschen, die im Hintergrund agiert haben und ebenfalls zum Erfolg beigetragen haben, auch wenn sie nicht immer sichtbar waren. Das alles hat mich geprägt und diese Skills begleiten mich noch heute!

 

Welche Entwicklungen es in den letzten Jahren in der RSG gab: Es ist sehr viel komplizierter geworden, es gibt super schwierige neue Elemente, auch zirkusartige Gerätetechniken und ein sehr schnelles Tempo. Da wird den Mädels wirklich viel abverlangt. Das betrifft natürlich das höchste Leistungsniveau. Wahnsinnig, wie Daria Varfolomeev aktuell durchstartet. Schön, dass Deutschland nun eine Olympiasiegerin in der RSG hat und Daria für so viele Mädels aktuell ein Vorbild ist. Die RSG hat mit Daria einen echten Aufschwung erlebt!

 

Meiner Ansicht nach ist es gut, dass es so viele Wettkämpfe gibt und auch für verschiedene Kategorien, z.B. ist die Turnliga interessant. Neue Formate wie Duos machen die Sportart attraktiv und spannend. Bei den Jungs in der RSG bin ich schon noch skeptisch, die verorte ich immer noch im Kunstturnen.

 

Ob ich bei der RSG-WM in Frankfurt bin? Mal sehen, ob der DTB etwas organisieren wird … Es gibt keine Karten mehr zu kaufen. Wenn der Deutsche Turner-Bund sich nicht meldet, dann werde ich leider nicht vor Ort sein können.



Weitere Quellenangaben / Informationen zum Artikel:
Foto: Falk Lindemann