Anja Bier über die Faszination Gymnastik/Tanz

Anja Bier, 1. VfL FORTUNA Marzahn
Anja Bier, 47, selbständige Reiseberaterin, ehrenamtliche Funktion: Bereichsleiterin und Trainerin Gymnastik und Tanz beim 1. VfL FORTUNA Marzahn e.V. Abteilung RSG
Anja Bier äußert sich in BewegtBerlin, Ausgabe 4-2025.
Beschreibe bitte kurz, wofür du im Verein zuständig bist – und nehmen Aktive aus deinem Bereich auch mal an Show-Veranstaltungen teil?
Ich bin seit meinem 7. Lebensjahr im Verein. 15 Jahre lang habe ich RSG als Wettkampfsport betrieben – zuerst als Einzelgymnastin, später in der Gruppe. Nach einer beruflichen Pause kam ich eigentlich nur zurück, um meine damals dreijährige Tochter zum Kinderturnen anzumelden… geblieben sind wir beide: sie als Sportlerin, ich als Trainerin, weil gerade dringend jemand gebraucht wurde.
Einige meiner damaligen 3–4-Jährigen turnen/tanzen bis heute bei uns – inzwischen erwachsen und zum Teil selbst als Nachwuchstrainerinnen aktiv. Aus ersten vorsichtigen Schritten im DTB Dance entwickelte sich im Laufe der Jahre ein eigener kleiner Bereich „Gymnastik und Tanz/DTB Dance“ innerhalb unserer großen RSG-Abteilung. Für diesen übernahm ich vor einigen Jahren die Verantwortung und bin seitdem auch Teil der Abteilungsleitung.
Heute trainieren in diesem Teilbereich rund 60 Kinder und Jugendliche ab 6 Jahren bis zur Ü18 in fünf Gruppen mit sieben Trainerinnen, jeweils zweimal pro Woche. Unsere Jüngsten nehmen regelmäßig an den Berliner Meisterschaften und Showveranstaltungen teil, während unsere Jugendgruppe „Aluna“ und Erwachsenengruppe „Solea“, für die ich beide als Trainerin verantwortlich bin, seit einigen Jahren auch bei den Deutschen Meisterschaften Gymnastik/Tanz starten. Mit wachsender Erfahrung konnten wir unsere Leistungen stetig steigern – unser bislang bestes Ergebnis ist ein vierter Platz, auf den wir sehr stolz sind.
Wie nimmst du die Veranstaltungen vom BTFB wahr – für den Wettkampf- und Showbereich? Was wünschst du dir desbezüglich vom Verband?
Der BTFB bietet ein breites Spektrum an Veranstaltungen, die wir sehr gern nutzen. Die Organisation von Wettkämpfen und Shows ist stets professionell. Für unsere Gruppen sind sie eine wertvolle Möglichkeit, sich neben dem Training zu präsentieren. Ein besonderes Highlight war unser Auftritt im Rahmen des „Feuerwerks der Turnkunst“ – ein unvergessliches Erlebnis für unsere Jugendlichen.
Die RSG ist ja eine Sportart, die die Show sozusagen in sich trägt. Holst du dir Anregungen auch bei den großen Show-Events?
In diesem Sport ist man immer auf der Suche nach neuen Ideen. Inspirationen finde ich überall – bei großen Shows wie dem „Feuerwerk der Turnkunst“, beim Schauen von „Let’s Dance“ (bekennender Fan), bei Revuen wie im Friedrichstadtpalast oder sogar im Cluburlaub bei der Abendshow. Wo auch immer getanzt wird, läuft im Kopf schon die Kreativwerkstatt: Welche Musik könnte passen, welchen Stil könnte man einfließen lassen, welches Element könnte man übernehmen oder neu interpretieren?
Wie wichtig sind große Events wie Turnfeste, Meisterschaften oder auch BTFB-Veranstaltungen für die Aktiven?
Sie sind enorm wichtig. Für diese Veranstaltungen entwickeln wir neue Choreografien, trainieren monatelang und fiebern gemeinsam darauf hin. Die schönste Übung ist doch nichts wert, wenn man sie nicht zeigen kann.
Der sportliche Ehrgeiz spielt natürlich auch eine Rolle – der Applaus der Zuschauer, die stolzen Blicke der Eltern oder eine gute Platzierung sind der Lohn für harte Arbeit. Gleichzeitig fördern diese Erlebnisse Teamgeist, Zusammenhalt und Freundschaften fürs Leben.
Was waren schönste Erinnerungen/Momente bei einem sportlichen oder auch Show-Event für dich?
Es fällt mir schwer, einen einzelnen Moment herauszugreifen – zu viele Erlebnisse, Wettkämpfe, Turnfeste verbinden mich seit meiner Kindheit mit dem Verein. Am meisten zählt für mich die Leidenschaft für „unseren“ Sport, die über all die Jahre geblieben ist, und die zweite Familie, die ich hier gefunden habe. Meine beiden damaligen Trainerinnen sind unter anderem immer noch Teil davon und auch meine beste Freundin habe ich im Verein kennengelernt.
Was steht sportlich als nächstes für euch an, auf welche Veranstaltung bereitet ihr euch vor?
Anfang September fahren wir mit 45 Mädchen ins Trainingslager nach Scharbeutz, um an Technik und Choreografien zu arbeiten. Parallel starten wir ins neue Schuljahr mit Probetrainings und Neuaufnahmen. Danach beginnt die neue Saison voller Auftritte, Wettkämpfe und gemeinsamer Erlebnisse.
Wir wünschen uns, dass sich mehr Berliner Vereine im Bereich Gymnastik/Tanz engagieren – die Mischung aus gymnastischen und tänzerischen Elementen ist einfach faszinierend. Auch ehemalige Leistungsgymnastinnen könnten sich hier ideal einbringen, wie es in anderen Bundesländern bereits erfolgreich praktiziert wird.
Unser großer Traum: irgendwann ein Treppchenplatz bei den Deutschen Meisterschaften. Und wenn diese vielleicht schon bald in Berlin stattfinden, umso besser – egal wo, wir sind bereit!
Wem willst du vielleicht danken?
Ich könnte hier viele Namen nennen, hätte aber Angst, jemanden zu vergessen. Deshalb ein großes Dankeschön an alle Vereinskolleginnen und -freundinnen, die meine Leidenschaft teilen und über all die Jahre zu einem so wichtigen Teil meines Lebens geworden sind – ihr seid die Besten!
Weitere Quellenangaben / Informationen zum Artikel:
Die Fragen stellte: Sonja Schmeißer | Foto: privat