Mein Trainer hat großen Anteil an meinem sportlichen Erfolg

Milan Hosseini (24), TG Böckingen, derzeit erfolgreichster Turner am Bundesstützpunkt Berlin, Mitglied DTB-Perspektivkader, Sportsoldat

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Brian Gladow (37), Nationalmannschafts-Turner 2006–2016, Weltcup-Sieger am Reck 2006; seit 2015 Trainer am Bundesstützpunkt Berlin, u.a. von Milan Hosseini,

 

äußern sich in BewegtBerlin, Ausgabe 5-2025.

 

Was bedeutet allgemein Leistung für euch – wie definiert ihr den Begriff?

Milan: Leistung ist für mich eine entscheidende Fähigkeit, um im Sport erfolgreich zu sein. Im Sport ist nicht nur die physische Leistung, sondern auch die psychische Leistung entscheidend.

Brian: Leistung ist das Ergebnis der Arbeit, welche man in dem Fall in den Sport/das Training investiert. Sowohl der Sportler als auch der Trainer.

 

Welchen Leistungsanspruch habt ihr an euch selbst – generell und im Sport?

Milan: Immer mein Bestes zu geben bzw. die beste Version von mir selbst werden.

Brian: Ich möchte aus jedem Sportler das Maximum herausholen, dass aus meiner Sicht in ihm steckt.

 

Wann seid ihr mit einer erbrachten Leistung zufrieden?

Milan: Wenn sie meiner Trainingsleistung entspricht – natürlich im Falle einer guten Vorbereitung auf den Wettkampf.

Brian: Wenn ich meinen Sportler bestmöglich auf den Wettkampf vorbereitet habe, sowohl mental als auch körperlich.

 

Was motiviert euch, eine hohe Leistung anzustreben?

Milan: Mein Ehrgeiz.

Brian: Um das höchstmögliche Ziel zu erreichen, muss man ein hohes Maß an Engagement und Einsatz zeigen, sonst hat man in meinen Augen kaum Chancen, diese zu erreichen.

 

Was war die größte Leistung, die ihr erbracht habt? Worauf seid ihr besonders stolz?

Milan: EM-Bronze 2023 und allgemein meine bisherige Turn-Karriere, weil ich bisher schon mehr geschafft habe, als ich vor ca. 10 Jahren gedacht hätte.

Brian: Als Trainer die Bronzemedaille am Boden bei der EM 2023 von Milan. Als Turner der Weltcup-Sieg am Reck 2006 in Moskau, zu der Zeit noch als Junior und die Teilnahme an der Heim-EM 2011 in Berlin.

 

Wie motiviert ihr euch, wenn ihr gesteckte Ziele vorerst nicht erreicht?

Milan: Das ist nicht immer einfach, aber ich probiere, mir dann immer neue Ziele zu setzen – wenn möglich.

Brian: Auch hier muss man schauen, warum man sie nicht erreichen konnte, sich dann neu ausrichten und über Etappenziele zum großen Ziel gelangen.

 

Wie geht ihr mit Rückschlägen oder Enttäuschungen um?

Milan: Ich denke viel drüber nach und bekomme viel Unterstützung von meinem engsten Umfeld.

Brian: Analysieren, woran es gelegen haben könnte, neu ausrichten und es beim nächsten Mal besser machen.

 

Wie motiviert man andere, um beste Leistungen zu erbringen?

Milan: Mit zusprechenden Worten.

Brian: Indem man ihnen aufzeigt, welche Möglichkeiten/Chancen sie bei optimalem Training haben.

 

Welchen Anteil hat der Trainer aus eurer Sicht am sportlichen Erfolg?

Milan: In meinen Augen hat mein Trainer einen großen Anteil daran. Man arbeitet als Team eng zusammen und dementsprechend sind beide auch für den Erfolg des Teams verantwortlich.

Brian: Ich denke, dass der Sportler erstmal die Voraussetzungen für eine Spitzenleistung mitbringen muss. Dies sollte der Trainer erkennen und zusammen mit dem Sportler Schritt für Schritt versuchen, diese Leistung durch gute Planung von Belastung und Trainingsinhalten zu erreichen und in den Wettkampf zu bringen. Dazu sollte es im besten Fall ein gutes Miteinander zwischen Sportler und Trainer geben. Am Ende ist es aber der Sportler, der die Übung im Wettkampf auf dem Podium zeigen muss. Dennoch haben sicherlich beide ihren Anteil an dem Erfolg.

 

Wie bedeutend sind für Brian die Erfahrungen als ehemaliger Turner? Wie werden diese unterstützend im Training eingebracht?

Brian: Sie hilft mir bei Elementen, die ich selber geturnt habe, genauer zu erklären, was man während der Bewegung fühlt, was man sieht oder worauf man sich genau konzentrieren sollte. Zu dem weiß ich, welche Phasen man durchlebt, ob positiv oder negativ und kann dort dann auch besser auf die jeweilige Situation eingehen oder sie erkennen.

 

Wie seid ihr zusammengekommen, seit wann seid ihr ein Trainer-Athleten-Team?

Milan: Seit 2020.

Brian: Ich kannte Milan schon, da war ich selbst noch Turner. Ich habe dann 2016 als Trainer angefangen und zuerst jüngere Sportler trainiert. Milan ist 2020 in meine Trainingsgruppe integriert worden, als es einen generellen Wechsel bzw. eine neue Aufteilung in den Trainingsgruppen am Stützpunkt gab.

Was macht euer Trainer-Athleten-Verhältnis so besonders?

Milan: Es ist über die Zeit und die vielen Erlebnisse besonders geworden.

Brian: Wir hatten zu Beginn tatsächlich unsere Probleme, haben diese aber im Laufe der Zeit in den Griff bekommen und durch viele Wettkämpfe, sowie positive und negative Erlebnisse, ein sehr gutes Verhältnis zueinander entwickelt, welches ich sehr schätze! Ich denke, wir konnten in den 5 Jahren beide viel voneinander lernen und uns positiv entwickeln!

 

Wie geht ihr miteinander um, wenn es Meinungsverschiedenheiten gibt?

Milan: Wir sprechen drüber und finden fast immer eine Lösung.

Brian: Es kam in den letzten Jahren selten vor, da wir alles im Vorfeld gut absprechen. Wenn es mal so ist, dann wird auch das besprochen und eine Lösung gefunden.

 

Was sind (gute) Rahmenbedingungen für sportliche Höchstleistungen?

Milan: Ein gutes Trainer-Turner-Verhältnis, gute Regenerationsmöglichkeiten (Physio, Sauna, Reha), in jungen Jahren eine gute Sportschule, Sportpsychologen und leistungsstarke Trainingskollegen. Am wichtigsten ist jedoch der Spaß und Ehrgeiz des Sportlers.

Brian: Ein stabiles Umfeld (Familie und Freunde) sind aus meiner Sicht sehr wichtig, damit man den Fokus auf den Sport legen kann. Dann ist es, wie Milan sagt, gut, wenn man an einer Sportschule ist, um Schule und Sport bestmöglich zu kombinieren. Außerdem sollten natürlich die Bedingungen in der Halle, eine gute Trainingsgruppe und auch das Vermögen des Trainers sowie das Verhältnis zum Sportler gut sein für eine lange und gute Zusammenarbeit. Auch Physiotherapie, Ärzte und Sportpsychologen spielen eine wichtige Rolle und müssen bei Bedarf schnell handeln können.

 

Wie wirkt sich sportliches Leistungsstreben auf euren Alltag/euer Leben aus?

Milan: Man richtet den kompletten Tag bzw. das Leben auf den Sport aus

Brian: Ich habe durch den Sport gelernt, wie man sich strukturiert, fokussiert, zielstrebig und intensiv arbeitet und natürlich großen Ehrgeiz entwickelt. Das spiegelt sich auch in verschiedenen Situationen im Alltag wider. Ich mache gerne Wettbewerbe, möchte Dinge schnell und gut erledigen, kurz meinem eigenen hohen Anspruch entsprechend handeln.

 

Was hat euch im Leben an Eigenschaften und Werten, die der Leistungs- und Wettkampfgedanke mit sich bringt, am meisten geholfen/kommt dir zugute?

Milan: Ehrgeizig und fleißig zu sein.

Brian: Da bin ich ganz bei Milan: Fleiß, Zielstrebigkeit und Ehrgeiz.

 

In diesen Tagen finden die Turn-WM in Jakarta statt – was bedeutet es, hier nicht mit dabei zu sein? Wie geht man damit um?

Milan: Natürlich ist man traurig, aber das gehört auch zum Sport dazu und motiviert mich umso mehr.

Brian: Ja, man schaut es sich im Stream an und denkt sich, dass es schön gewesen wäre, dabei zu sein. Aber das ist Sport. In dem Fall kommen und gehen Verletzungen und Milan hatte sie im falschen Moment. Das passiert, damit muss man klarkommen und dann schafft man es hoffentlich zum nächsten großen Wettkampf wieder, vollkommen fit zu sein! Das ist immer unser Ziel und deswegen gehen wir auch jetzt jeden Tag in die Halle, um beim nächsten Mal nicht im Stream zuschauen zu müssen!

 

Warum geht man trotzdem gern wieder in die Halle/zum Training?

Milan: Für das große Ziel: die Olympischen Spiele. Misserfolg gehört auch zum Leistungssport dazu.

Brian: Dieselbe Antwort, wie bei der Frage davor. Damit man beim nächsten Mal dabei ist! Ohne Training wird auch das sonst nichts.

 

Was sind die nächsten sportlichen (oder sonstigen) Ziele?

Milan: Wieder fit werden und den Nacken auskurieren lassen. Dann die EM und WM im nächsten Jahr.

Brian: Dieselbe Antwort wie Milan: Körperlich wieder vollkommen gesund werden und dann in Richtung EM und WM im nächsten Jahr arbeiten!

 

Was möchtest du durch gute Leistungen in deinem Leben noch erreichen?

Milan: Sportlichen Erfolg und andere Leute damit motivieren bzw. ein gutes Vorbild sein.

Brian: Mein Ziel als Sportler war es, an den Olympischen Spielen teilzunehmen. Leider habe ich dieses Ziel nicht erreichen können. Ein kleiner Wunsch ist es vielleicht, dies mit einem meiner Sportler zu schaffen. Im letzten Jahr ist Milan als Ersatzmann knapp daran gescheitert. Wer weiß, was die Zukunft bringt. Vielleicht kommt nochmal eine Chance. Ansonsten bleibt es dabei, mein tägliches Ziel in der Halle ist es, aus jedem Sportler das Maximum herauszuholen. Nicht jeder wird Olympiasieger, das ist klar. Aber jeder hat eine Leistungsgrenze, die man erreichen kann.

 

Was wünscht ihr euch vom BTFB zum gesamten Thema?

Brian: Weiterhin die bestmögliche Unterstützung, damit wir uns als Trainer voll auf die Leistungsentwicklung der Sportler konzentrieren können.



Weitere Quellenangaben / Informationen zum Artikel:
Die Fragen stellte Gritt Ockert | Fotos: Daniel Wörz