Beteiligung im Ehrenamt bereichert das Leben
Er lebt in Barcelona und übt dank Digitalisierung sein Ehrenamt von dort aus: Marcel Schilling schildert In Ausgabe 1-2026 des BTFB-Verbandsmagazins BewegtBerlin seine Tätigkeit als Vorsitzender der Berliner Turnjugend.
Zur Person
Marcel Schilling (38) ist gemeinsam mit Carolin Feist Vorsitzender der Berliner Turnjugend. Er ist Bioinformatiker; lebt und arbeitet in Barcelona.

Wie bist du zu diesem Ehrenamt gekommen, was ist deine Motivation?
Ich wurde ursprünglich einmal gefragt, die BTJ als Delegierter zu vertreten, das muss ein Turntag des BTFB gewesen sein. Bis dahin kannte ich die Gesichter und Namen der Vertreter in den Gremien in erste Linie von Veranstaltungen, wo einige dieser als (Ehren-)Gäste dabei waren. Ich fand diesen eher “politischen” Teil der Verbandsarbeit interessant und habe mich deshalb zur Wahl gestellt, als eine BTJ-Vorstandsposition vakant war. So wurde ich beim darauffolgenden Turntag schon als Vorstandsmitglied Gymwelt der BTJ bestätigt.
Seitdem bin ich nun schon einige Jahre im Vorstand, habe in der Zeit sowohl personelle als auch strukturelle Veränderungen erlebt und begleitet, und bin mittlerweile einer der beiden Vorsitzenden. Ich finde es wichtig, dass die Jugend im Verband repräsentiert und vor allem gehört wird und bin stolz, dass wir in der Vergangenheit schon einige Impulse setzen konnten. Sei das beim Thema Wertschätzung, dem Jugendschutz, oder der Nachhaltigkeit im Sport.
Beschreibe bitte kurz, auch für Außenstehende, die nicht so sehr mit Verbandsstrukturen vertraut sind, deine ehrenamtliche Tätigkeit als BTJ-Vorstand. Welche Aufgaben und Ziele hat das Gremium, welche Aufgaben hast du?
Gemeinsam mit den anderen Vorstandsmitgliedern versuchen wie stets, die BTJ an aktuelle Gegebenheiten anzupassen und neue junge Menschen für ein ehrenamtliches Engagement im Sport zu begeistern. Dafür bilden wir Arbeitsgruppen, deren Ziele und Ergebnisse regelmäßig im Vorstand besprechen. Als Vorsitzende versuchen Caro und ich dabei, den Überblick zu behalten, und für alle als Ansprechpartner zu fungieren. Wir bereiten Sitzungen vor und nach, leiten diese, und vertreten die BTJ und somit die Jugend unserer Mitgliedsvereine im Präsidium des BTFB sowie in der DTJ. Die Arbeit macht uns Spaß und wir sind ein gutes Team. Dennoch ist es mein Wunsch, dass wir bald von jüngeren Ehrenamtlichen abgelöst werden können, damit die ständige Erneuerung des Vorstands weitergehen kann. Natürlich wollen am liebsten einen sanften Übergang und werden uns sicher noch lange aktiv beteiligen.
Wie kannst du das von Barcelona aus erledigen, wie kommuniziert ihr?
Die Kommunikation im Verband läuft viel über E-Mail. Wir überlegen jedoch gerade, ob wir verstärkt auf MS Teams umsteigen wollen, wo es sich anbietet. Das erleichtert es z.B., Protokolle gemeinsam zu erstellen, korrigieren und zu verteilen. Im BTJ-Vortstand und den AGs gibt es auch die ein oder andere Chat-Gruppe. Caro und ich, die beiden Vorsitzenden, telefonieren auch regelmäßig, um uns abzusprechen. Da wir in derselben Zeitzone sind und ich hier problemlos per EU-Roaming meine deutsche Telefonnummer weiterverwenden kann, funktioniert das genauso, als wären wir beide in derselben Stadt. Lediglich an Veranstaltungen und Präsenzsitzungen kann ich leider kaum noch teilnehmen. Unsere Vorstandssitzungen finden aber bis auf wenige Ausnahmen im Jahr, die meinetwegen dann hybrid durchgeführt werden, sowieso in der Regel online statt. Das erleichtert es doch ungemein, nach der Arbeit an einem Werktag noch “schnell” ein paar Stunden für eine Sitzung zu finden, ohne dass der Berufsverkehr dazwischenkommen kann.
Wenn ich dann aber mal zu Besuch in Berlin bin, freue ich mich natürlich umso mehr, meine Freunde in der BTJ mal wieder persönlich zu treffen.
Beschreibe bitte anhand einer Sitzung/eines Meetings, was da an Vorbereitungen für dich/euch anfällt.
Normalerweise ergibt sich aus dem Protokoll der vorherigen Sitzung, aktuellen Terminen und Veranstaltungen, etc. schon automatisch eine grobe Tagesordnung für die kommende Sitzung. Diese stellen Caro und ich normalerweise gemeinsam zusammen, besprechen, welche weiteren Punkte uns wichtig sind, die thematisch und zeitlich machbar sind und stimmen diese mit dem BTFB und dem gesamten BTJ-Vorstand ab.
Sobald wir eine finale Idee haben, worum es geht, verabreden wir dann unter uns Vorsitzenden, wer für welche Teile die Leitung bzw. Moderation übernimmt und bereiten die entsprechenden Themen dann ggf. vor. Das kann auch bedeuten, ein anderes Vorstands-/AG-Mitglied zu bitten, ein Thema vorzubereiten, oder einen externen Gast einzuladen, der sich in dem Thema besser auskennt.
Wir lassen aber auch immer etwas Raum für spontane Ideen oder längere Diskussion, die während der Sitzung aufkommen. Wenn solch ein Thema zu groß wird, geben wir es aus dem Vorstand in eine AG ab, damit das Thema nicht untergeht.
Nach der Sitzung müssen dann Protokolle geschrieben, verteilt, gelesen, und bestätigt werden, damit alle unseren Ideen und Beschlüsse dann auch umgesetzt werden können.
Was hast du / habt ihr in den vergangenen Jahren erreicht, worauf seid ihr besonders stolz?
Die Kinderschutzsportkonferenz ging aus einer BTJ-AG hervor. Das ist sicher das größte, was in den letzten Jahren aus dem nichts aufgezogen wurde. Aber auch unser TuJu-Media Team, dass wir seit vielen Jahren theoretisch besprochen und geplant haben, nimmt nun endlich Gestalt and und ich bin optimistisch, dass es ein fester Bestandteil unseres Verbandslebens werden wird. Auch die Modernisierung unserer Jugendordnung war sehr wichtig, da sie die Grundlage dafür bildet, dass sich auch in Zukunft junge Menschen mit dem Verband identifizieren und sich darauf aufbauend gestalterisch einbringen können.
Worin bestehen derzeit die größten Herausforderungen?
Ich würde sagen in der Nachwuchsgewinnung. Ehrenamt und Schule/Ausbildung/Studium/Beruf/Familie unter einen Hut zu bekommen war noch nie leicht, wird aber zunehmend noch schwieriger. Durch die Pandemie und die dadurch bedingten Veranstaltungsausfälle gibt es eine Lücke von jungen Leuten, die weniger direkten Kontakt mit den Menschen im Verband hatten, und daher auch weniger Nachwuchs für alle Strukturen im Verband. Allerdings haben wir gerade im TuJu-Media-Team und im Vorstand gerade wieder sehr motivierte junge Ehrenamtliche gewinnen können. Ich hoffe also, dass wir diese Schwierigkeit weiterhin meistern werden.
Was tust du / ihr für die Nachwuchsgewinnung im Ehrenamt – welche Wege/Methoden könnt ihr anderen empfehlen?
Wir werben auf Veranstaltungen und Social Media, sowie im BTFB-Newsletter für neue Mitglieder in unseren Teams. Erfolgreich läuft es häufig dann, wenn jemand von einem bestehenden Mitglied einfach mal mitgebracht wird und dann Freude an der Arbeit und der Gemeinschaft findet. So bin ich ja auch irgendwann mal dazugekommen. Wenn wir engagierte Junge Menschen treffen, die uns begeistern mit ihrem Elan und ihren Ideen, versuchen wir immer, direkten Kontakt herzustellen. Das kann auf Workshops, Tagungen, Veranstaltungen, oder in den Vereinen sein. Wir versuchen auch, direkten Kontakt zu motivierten Jugendvertretern oder Übungsleitern in den Vereinen herzustellen. Denn häufig ist der schwerste Teil, die Informationen and die “richtigen” Leute zu bekommen.
Mit welchen Argumenten würdest du jemanden von einer ehrenamtlichen Vorstandsarbeit überzeugen wollen?
Puh, das ist eine gute Frage. Ich würde die Menschen eher motivieren, sich ehrenamtlich zu beteiligen, egal wie und wo, weil es das Leben wirklich bereichert. Und dann würde ich empfehlen, möglichst viele Dinge einfach mal auszuprobieren. Ich hätte nicht gedacht, dass mir die Vorstandsarbeit so viel geben würde, bis ich es probiert habe. Aber ich kenne auch Menschen, denen das einfach nichts ist und dann finde ich es falsch, diese “überzeugen” zu wollen. Es gibt viele Optionen im Verband und da ist sicher für jeden etwas dabei. Im BTJ-Vortstand haben wir dafür z.B. einen “Assistenz”-Posten, ohne feste Aufgabe/Verantwortung, um so ein Ausprobieren zu ermöglichen. Ebenso kann man sich bei uns themenbezogen in einer bestimmten AG einbringen, ohne gleich für eine Funktion im Vorstand kandidieren zu müssen.
Welche Kriterien sollte ein gutes Team in einem ehrenamtlichen Gremium erfüllen?
Ich denke, das ist wie ein gutes Team in jedem Kontext: Es braucht Vertrauen, gute Kommunikation, gemeinsamen Spaß über die “Arbeit” hinaus, Wertschätzung und Vielfalt in jeder Hinsicht, damit man sich mit seinen Fähigkeiten, Ideen, und Meinungen untereinander möglichst gut ergänzt.
Fühlst du dich in deinem Ehrenamt wertgeschätzt – wodurch und von wem? Was fehlt?
Ich persönlich fühle mich wertgeschätzt. Ich bin lange dabei und das Team ist wie eine Familie für mich. Wenn man wiederholt Verantwortung übertragen bekommt, dann ist das doch ein tolles Signal, das die eigene Arbeit wertgeschätzt wird. Wenn ich die Frage etwas allgemeiner betrachte, so finde ich jedoch, dass das Ehrenamt als solches generll nicht genug Wertschätzung erfährt.
Was könnte die Politik, die Gesellschaft tun, um generell Ehrenamtliche zu unterstützen und mehr Leute fürs Ehrenamt zu gewinnen?
Ich glaube, es braucht dort gar keine großen Gesten, sondern vielmehr ein ehrliches Eingestehen der Tatsache, dass vieles, das wir genießen, an das wir uns gewöhnt haben, und das wir nicht missen wollen, ohne ehrenamtlicher Helfer nicht existieren würde. Daraus ergeben sich dann ganz viele kleine Handlungen, die das freiwillige Helfen erleichtern würden. Z.B. unbürokratische Freistellungen für Sitzungen, Tagungen, und Workshops. Zumindest bei Angestellten des öffentlichen Dienstes könnte das die Politik direkt umsetzen. Ich bin sicher, dass die entstehenden “Kosten” durch Verdienstausfälle gesamtgesellschaftlich weit mehr als ausgeglichen würden. Auch ein Ausbau der Sportstätten, um mehr Hallenzeiten und somit mehr Optionen, neben der Arbeit noch als Übungsleiter zur Verfügung zu stehen wäre ein klares Zeichen der Wertschätzung von Ehrenamtlichen im Sport.
Ausblick: Was steht in deinem Gremium als nächstes für euch an, worauf freust du dich?
Wir arbeiten gerade am Konzept unserer Newcomer-Ehrung, versuchen unser TuJu-Media Team bei Veranstaltungen des Verbands zu etablieren, und haben sehr viel Potential bei den Themen Safe-Sport, Inklusion, und Nachhaltigkeit, zu denen wir in naher Zukunft konkrete Projekte entwickeln wollen.
Wem willst du vielleicht danken oder sonst noch etwas sagen?
Ich danke all meinen Begleitern im Vorstand, dem Veranstaltungsteam, und im Verband, mit denen ich in den letzten Jahren und Jahrzehnten viel erleben durfte und erreichen konnte.
Natürlich fallen mir viele konkrete Namen ein, entweder weil wir besonders lange und/oder eng zusammenarbeiten (bzw. Gearbeitet haben), oder gerade, weil sie neu dabei sind, und ich mit Freuden sehe, dass die TuJu lebt und relevant bleibt. Für all diese ist hier aber nicht genug Platz und am Ende würde ich bestimmt noch viele wichtige Namen vergessen. Von daher einfach ein herzlichen Danke an euch alle für die schöne Zeit, ob vergangen oder in der Zukunft.
Weitere Quellenangaben / Informationen zum Artikel:
Foto: privat