Einmal Ehrenamt – immer Ehrenamt …

Nicole Gohel engagierte sich über Jahre im Vorstand der Berliner Turnjugend und bleibt der BTJ auch weiterhin in verschiedenen AGs erhalten. In Ausgabe 1-2026 des BTFB-Verbandsmagazin BewegtBerlin beschreibt sie ihre Motive zur ehrenamtlichen Arbeit. 

Zur Person

 

Nicole Gohel (53) war langjähriges Vorstandsmitglied der BTJ; ist Mitglied der AG Newcomer und Nachhaltigkeit der BTJ; Stadtamtfrau, Arbeitsvermittler für Selbständige im Jobcenter Pankow

Das Bild zeigt eine Frau vor grünem Hintergrund.

Nicole, du hast dich nach mehr als 20 Jahren im BTJ-Vorstand aus dem Gremium verabschiedet, du bleibst aber in verschiedenen AG’s ehrenamtlich tätig – was ist deine Motivation?

Ich habe den Vorstand der BTJ nach fast 21 Jahren nicht verlassen, weil mir die Arbeit kein im Ehrenamt keinen Spaß mehr gemacht hat, sondern den Platz für die jüngere Generation frei zu machen. Die wissen häufig trotz meiner Lebenserfahrung besser was die Jugend heute braucht. Das ich weiterhin in verschiedenen AG weiterarbeite (Aufgaben siehe Seite 9). , liegt vielleicht daran, da man nach über 30 Jahre ehrenamtliche Arbeit beim BTFB nicht einfach aufhören will und kann. Ich möchte für meinen Nachfolger im Vorstand der BTJ bei Bedarf weiterhin Ansprechpartner, indem er auf meine in den Jahren erarbeitete Expertise zurückgreifen kann und vielleicht möchte ich auch noch ein paar angefangenen Projekte zu Ende bringen.

 

Was hat dir die lange Zeit als Vorstandsmitglied gegeben, worauf bist du vielleicht stolz?

Ich finde, dass Erfahrungen aus dem Ehrenamt auch viel auch in den Beruf mitnehmen kann, gerade wenn man in sozialen Bereichen arbeitet. Auch hat Spaß gemacht, Projekt über lange Zeit mit zu entwickeln und zu erleben, was aus diesen Projekten geworden ist. Man wird zu einem festen Bestandteil einer Gemeinschaft, die einen auch hilft/ auffängt, wenn private schwere Schicksalsschläge hat. Mir ist dies zweimal passiert, bei der Frühgeburt meines Sohnes und den Tod meines Mannes (der jedenfalls ehrenamtlich für die BTJ tätig war). Ich bekam während dieser Zeit sehr viel Rückenhalt und auch Freiraum für meine ehrenamtliche Tätigkeit.

Stolz bin ich, dass ich bei einigen Projekt von Anfang an dabei sein konnte, die jetzt ein fester Bestandteil in der BTJ sind. Dazu gehört auch der Newcomerpreis sowie mehrere Änderungen der Jugendordnung, um sie regelmäßig der gesellschaftlichen Entwicklung anzupassen. Richtig Stolz bin auch die Aufnahme der Position Ehrenamt im Vorstand, da ich denke, dass das Ehrenamt stärker in den Fokus genommen werden muss und nicht immer als Selbstverständlichkeit angesehen darf.

 

Was ist wichtig, damit man ein Ehrenamt in einem Gremium gern ausfüllt, auch wenn es vielleicht zuweilen ein bisschen „trocken“ ist? 

Der Spass sollte nie zu kurz kommen, auch wenn das Thema mal trocken ist. Im Gremium sollte man auch auf die Bedürfnisse der Einzelnen eingehen, z.B. haben wir aufgrund der langen Anfahrtswege einzelner um Schluss häufig digital getagt, was nicht heißt das wir nicht vor Ort z.B. mit Essen getagt haben. Wichtig ist es, dass man sich in einem solchen Gremium gut versteht, sich auch aufeinander verlassen kann und offen/ ehrlich miteinander umgeht.

 

Beschreibe bitte kurz, auch für Außenstehende, die nicht so sehr mit Verbandsstrukturen vertraut sind, deine ehrenamtliche Tätigkeit in den AG’s. Welche sind das und welche Aufgaben und Ziele haben die? Welche Aufgaben hast du?

AG Newcomer

  • Vorbereitung der Ausschreibung Newcomer, inkl. Veröffentlichung Sichtung der Ehrungsanträge und Vorbereitung der Ehrung,
  • Anpassung der Ausschreibungskriterien und Wege der Veröffentlichung bei Bedarf
  • Übergabe des Preises

 

AG Nachhaltigkeit

  • Ausschreibung und Übergabe des Nachhaltigkeitspreis, Bearbeitung und Auslotung von Möglichkeiten des Themas innerhalb des Verbands – sehen was innerhalb des Verbands möglich ist bzw. Klärung, was bereits gemacht wird (worüber nie aber nie gesprochen wurde). Das Thema Nachhaltigkeit findet auch im Sport immer mehr an Bedeutung und man kann oft mit kleinen Dingen bereits viel erreichen. Es wird bereits mehr gemacht, als man denkt und dies sollte man positiv hervorheben, um andere dafür zu gewinnen.

 

Worin bestehen derzeit die größten Herausforderungen in deiner ehrenamtlichen Arbeit?  

Die Vereinbarkeit von Familie, Beruf und Ehrenamt, besonders seitdem ich Alleinerziehend bin. Die Arbeitgeber nehmen immer weniger Rücksicht, auf ein Ehrenamt (früher hat man teilweise sogar Sonderurlaub erhalten, heute muss man häufig Urlaub nehmen und mit Kollegen bezüglich freier Tage einigen. In letzter Zeit müsste ich sogar erleben, dass aus beruflichen Gründen Genehmigungen von freien Tagen wieder zurückgenommen wurden). Das Ehrenamt hat in der Gesellschaft nicht mehr das Ansehen, was es früher hatte. Vieles wird als Selbstverständlichkeit hingenommen.

 

 

Welche Kriterien sollte ein gutes Team in einem ehrenamtlichen Gremium erfüllen?

Dies ist schwer zu sagen, da die Kriterien meiner Meinung in jedem Gremium anders sind. Dies ist Abhängig davon, welche Aufgaben anliegen und der Intensität der Aufgabenbewältigung. Auf jeden Fall muss man sich gut im Team aufgehoben fühlen, da ansonsten die Arbeit darunter leider. Jedes Team sollte offen über seine Probleme sprechen und am besten gleich – im Veranstaltungsteam haben wir ein Slogan: Wir sprechen jetzt und wir schweigen dann für immer. Dies bedeutet, dass die Probleme sofort besprochen werden und nicht immer von Termin zu Termin getragen werden sollten.

 

Fühlst du dich in deiner ehrenamtlichen Arbeit wertgeschätzt – wodurch und von wem? Was fehlt?

Wertschätzung findet häufig mit kleinen Gesten statt, die häufig zu kurz kommen. Das kann die Gratulation zum Geburtstag sein oder zum Jubiläum Ehrenamt oder ein kleines Danke. Dies fehlt häufig, teilweise durch fehlende Infos, die gerade beim Weggang langwidriger Ehrenamtlichen verloren gehen.

Eine Wertschätzung war für mich in den letzten Jahren häufige die jährliche Einladung zum Feuerwerk zum Turnfest mit Begleitung, aber auch die Einladung zum Weihnachtsessen. Hier konnte man mal mit anderen Ehrenamtlichen außerhalb der Arbeit in den Gremien sprechen.

Auch eine unerwartete Ehrung im letzten Jahr war für mich eine besondere Wertschätzung, da da bereits bekannt war, dass ich nicht mehr im Vorstand der BTJ antreten werde.

 

Im Rückblick: Was waren schönste Erinnerungen/Momente in deiner ehrenamtlichen Tätigkeit? 

Dies fehlt mir besonders nach 30 Jahren schwer zu sagen. ES gab wahnsinnig viele schöne Monente/ Erinnerung. Zu einem die vielen Veranstaltungen, die ich mit meinem verstorbenen Ehemann mitgestaltet/ besucht habe, wovon es durch seine Arbeit sehr viele Bilder gibt. Um viel einige hervorzuheben – Stadiongala 2017 in Berliner Olympiastadion, Kinderturnshow im Tempodrom, Show- und Dance-Gala am Potsdamer Platz. Ich konnte Veranstaltungsort von einer Seite erleben, wo ein normaler Besucher nicht hinkommt. Aber auch gemeinsame Grillabende mit dem Vorstand der BTF bei Klausurtagungen. Auch zu nennen sind die Unternehmungen mit dem Veranstaltungsteam, die wir auch als Wertschätzung ihrer und unserer Arbeit organisiert haben.

 

Ausblick: Was steht in deinen Gremien als nächstes für euch an, worauf freust du dich?

Besonders freue ich auf die zukünftige Arbeit im Fachausschuss Gleichstellung und Ehrenamt, besonders weil wir das Thema Wertschätzung hier mal von allen Seiten beleuchten wollen. Auch in Hinblick der Gewinnung von neuen Ehrenamtlichen, was immer schwerer ist und wahrscheinlich auch sein wird.

 

Wem willst du vielleicht danken oder sonst noch etwas sagen?

Ich möchte eigentlich vielen Mitglieder aus dem Vorstand der BTJ, die mich die vielen Jahren in meinem Ehrenamt begleitet haben. Einigen ist es sichtlich schwergefallen, mich gehen zu lassen sowie Nicole Greßner. Auch meinem Sohn möchte ich danken, der immer viel Verständnis hatte, wenn ich mal wieder keine Zeit für ihn hatte oder wir wegen Terminen unsere festen Rituale umstellen mussten.

 

Ich freue mich darauf, dass ich jetzt vielleicht mehr Zeit für mein neues Hobby dem Reisen habe, obwohl ich ein Teil meiner ehrenamtlichen Arbeit wahrscheinlich auch vermissen werde.



Weitere Quellenangaben / Informationen zum Artikel:
Foto: Juri Reetz