Ich habe immer einen Leistungsanspruch an mich selber

Esben Aalvik (61), ausgebildeter Physiotherapeut, zur Zeit Sport-Coach/Trainer/Ausbilder, sportlicher Leiter vom Insel Sport Club in Berlin-Marienfelde, freier Ausbilder/Referent für viele Verbände in Deutschland und Europa, jahrelang Reebok-Mastertrainer für Deutschland, Tätigkeiten für SAT 1 und RTL 2, mehrere Videoproduktionen, Co-Autor eines Step-Aerobic Buches, war Fitnesstrainer bei einer Bundesliga-Fußballmannschaft
Esben Aalvik äußert sich in der BewegtBerlin, Ausgabe 5-2025.
Leistung kann so viel sein und ich würde eine Einteilung in die allgemeine Leistung und die eigene Leistung vornehmen: Eine Leistung im Team ist immer großartig, weil viele dabei arbeiten bzw. kämpfen, um diese Leistung zu erbringen. Eine eigene Leistung kann positiv sein, kann aber negativ werden, was wir leider öfters im Sport erleben, durch den Druck von Medien, und vielleicht auch der finanzielle Druck, was dazugehört.
Ich habe immer einen Leistungsanspruch an mich selber. Ich bin ja mein eigenes Produkt, und um noch aktiv auf dem Markt zu sein, muss ich ständig eine entsprechende Leistung liefern.
Mit meiner aktuellen Leistung bin ich schon sehr zufrieden, da ich immer noch gut ausgebucht bin, immer noch angefragt werde, bei Kongressen und Ausbildungs-Events Kurse zu geben, und selbstverständlich, dass meine Kurse voll sind und die Teilnehmer immer wieder zurückkommen und Freunde und Bekannte mitbringen.
Die Motivation für eine hohe Leistung ist, einfach da zu sein für andere und sie zu inspirieren, Sport zu treiben – egal was…
Es gibt schon ein paar Momente für meine größten Leistungen und Ereignisse, auf die ich besonders stolz bin. Ich bin zum Beispiel den Berlin-Marathon in 3:12 Stunden gelaufen, das finde ich schon ziemlich gut. Dann habe ich als Offizier am „4-Tage-Marsch“ in Nijmegen (Niederlande) teilgenommen – 4 Tage á 4 Kilometer, in Uniform und mit einem 12 Kilogramm schweren Rucksack. Das war als körperliche Leistung ziemlich intensiv.
Immer wieder gibt es kleine Rückschläge – ob es Verletzungen, Erkrankungen o.ä. sind – die dafür sorgen, dass Ziele nicht leicht zu erreichen sind. Um andere zu motivieren, bessere oder ihre besten Leistungen zu erbringen, bin ich als Vorbild da, gebe meine Erfahrungen weiter und motiviere dadurch zum Weitermachen.
Als Trainer oder Übungsleiter hat man einen großen Anteil am sportlichen Erfolg – zum Beispiel auch in meinem Bereich als Leiter eines Fitness-Kurses. Wichtig finde ich, dass ich als Person authentisch rüberkomme, dass ich auch zeigen kann, dass ich auch nicht perfekt bin und darüber reden kann. Dass nicht alles glamourös ist, und dass es viel Arbeit ist.
Wir werden motiviert durch andere sportliche Leistungen von anderen Sportlern. Und das ist besonders heutzutage durch soziale Medien wie Facebook, Instagramm, YouTube viel leichter. Man kann leichter seinen Helden folgen, mit ihnen feiern und mit ihnen leiden. Das sorgt für die Eigenmotivation.
Ich bewundere viele Sportler und Sportarten. Ich war selber Wettkampf-Geher, war jahrelang bei der norwegischen Nationalmannschaft als Junior sehr aktiv. Als Teenager habe ich wöchentlich 20 bis 30 Stunden pro Woche trainiert. Ich weiß, was hartes Training ist, ich weiß, wie sich ein Sieg oder eine Disqualifikation anfühlt. Ich war Norwegischer Meister im Gehen, sogar Nord-Deutscher Meister. Ich finde aber Sportarten wie Decathlon (Zehnkampf) extremst bewundernswert oder auch Triathlon. Oder Leistungen, die im Parasport erbracht werden. Ich bewundere selbstverständlich Turnen und dort besonders die Mehrkämpfe.
Nach einer vollbrachten Leistung und wenn ich ein Ziel erreicht habe, erfüllt mich das mit innerlichem Frieden und Zufriedenheit und ich bin extremst glücklich.
Training kann hart und schwer sein, kann aber auch Glücksgefühle hervorbringen. Wenn du deinen Plan schaffst, wenn du merkst, dass du besser wirst, dann macht das Training Spaß und gibt dir die Motivation, weiterzumachen.
Grenzen für die Leistungserbringung im Sport bzw. im Fitness-Bereich sehe ich zum Beispiel bei der Benutzung von verbotenen Substanzen und noch schlimmer ist es, wenn Trainer und Betreuer verbotene Substanzen geben, ohne den Sportler darüber zu informieren.
Grenzen für bestmögliche Leistungen gibt es aus meiner Sicht, wenn der Körper und der Geist verletzt werden.
Sportliche Leistungen werden heute leider nicht genügend gewürdigt. Es gibt Sportarten, die sehr viel Geld bringen, da es Publikums- und TV-Sportarten sind. Es gibt Randsportarten wie den Parasport, wo die Sportler fast alles selber bezahlen. Auch im TV wird hauptsächlich sehr viel über Fußball gesprochen. Es gibt sooo viele anderen Sportarten, die sollten auch die Möglichkeit haben, vorgestellt zu werden.
Zur Wahrnehmung und Wertschätzung von Leistung im Fitness-Bereich gibt es leider immer noch einen negativen Ruf um Bodybuilding und Doping und einfach (zu) viel Muskelmasse. Darum geht es aber nicht.
Durch soziale Medien können wir alle zeigen, dass wir an Wettkämpfen teilnehmen und können somit Respekt und Anerkennung von Freunden, Familie und Bekannten erfahren. Das stärkt das eigene Selbstbewusstsein sehr.
Wie sich das sportliche Leistungsstreben auf meinen Alltag bzw. mein Leben auswirkt? Wie erwähnt, bin ich mein eigenes Produkt. Das heißt, ich achte auf das, was ich esse, wann ich esse, wieviel ich esse. Ich achte auf meinen Schlaf und wie lange ich schlafe. Ich achte, auf welche Art ich ein Kursformat unterrichte, mit welcher Intensität und Dauer, damit ich auch genügend Zeit habe, mich zu erholen. Wenn andere vielleicht am Samstag schön feiern gehen, bleibe ich zu Hause, damit ich für einen Sonntagseinsatz fit und vorbereitet bin.
Für eine beste Leistungserbringung und für meine Persönlichkeitsentwicklung orientiere ich mich an guten Vorbildern – ob es sportlich ist oder aus anderen Bereichen. Am wichtigsten ist der Mensch, der im Vordergrund steht. Nicht Arroganz, Hass, Beleidigungen oder Respektlosigkeit.
An Werten, die der Leistungsgedanke mit sich bringt, hat mir im Leben am meisten das Glauben an mich selber geholfen und die Werte, die meine Eltern mir mitgegeben haben.
In Bezug auf nächste sportliche Ziele würde ich gern noch vieles machen, aber ich muss auch respektieren, dass meine Körper nicht mehr 20 ist, und ich bin schon so weit gekommen. Statt nochmal einen Halb-Marathon oder einen vollen Marathon zu laufen, nehme ich heute lieber ein- bis zweimal im Jahr am „Megamarsch“ teil – das ist eine außergewöhnliche Herausforderung mit 50 Kilometern Extremwandern in 12 Stunden.
Für weitere gute Leistungen in meinem Leben ist es erstmal ganz wichtig, dass ich und meine Körper gut miteinander klarkommen. Ich pflege meinen Körper und meinen Geist, gute positive Freunde und meine Umgebung. Ich will immer noch viele Sachen schaffen, ich bin noch lange nicht fertig!
Der BTFB setzt sich großartig für den Leistung- und Breitensport ein. Beides ist wichtig, wir brauchen beides. Und ich fühle mich sehr eng verbunden mit dem Verband und seiner Arbeit und deren Mitarbeitern, Helfern und Ehrenamtlichen. Das ist Gold wert!!!
Weitere Quellenangaben / Informationen zum Artikel:
Die Fragen stellte Gritt Ockert | Foto: Antonia Richter